Erweiterte Funktionen

Geld- und Fiskalpolitik schüren die Börseneuphorie


11.01.21 12:40
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Neben der Geldpolitik der Zentralbanken ist das zweite, in diesem Ausmaß äußerst kritische Mittel gegen die Wirtschaftskrise die Verschuldung, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Mithilfe der Fiskalpolitik würden die Regierungen die Staatsverschuldung erhöhen, um mit den neugewonnenen Mitteln die Sozialhilfe zu verstärken, in Not geratene Unternehmen zu unterstützen und Investitionen zu finanzieren. Dieses Mittel zur Konjunkturbelebung sei in der Wirtschaftsgeschichte schon sehr oft eingesetzt worden, aber mit unterschiedlichem Erfolg. Wenn die Staatsverschuldung zu sehr steige, dann wirke der Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) wie eine Konjunkturbremse. Zwar könnten die Finanzminister die Tilgungen durch Neuverschuldung refinanzieren, aber wenn die Verschuldung zu hoch werde, dann würden die Märkte höhere Soll-Zinsen erzwingen.

Die USA zum Beispiel befänden sich in der Nachkriegszeit in einer Tendenz der Staatsverschuldung, die mit großer Wahrscheinlichkeit in eine neue Krise führe. Mit immer größerer Geschwindigkeit steige seit Jahren das Haushaltsdefizit. Im Jahr 2008 habe sich das Defizit beschleunigt, doch die damalige Wirtschaftskrise aufgrund der überhitzten Immobilienmärkte sei nicht überwunden worden, sodass sich in der Zeit der Pandemie die Verschuldung noch mehr beschleunigt habe und jetzt wohl die Marke von USD 30 Billionen erreiche. Auf jeden einzelnen Steuerzahler entfalle zurzeit ein Anteil von USD 220.000 (Quelle: US National DEBT CLOCK). Um die Schulden des Staates vollständig wieder zurückzubezahlen, würden die USA bei USD 1 Million pro Tag ohne Zinseszinsen 100.000 Jahre benötigen.

Der frühere indische Notenbankchef und vormalige Chefvolkswirt des IWF, Raghuram Rajan, warne vor Schulden, Inflation und Konjunkturillusionen. Das Wachstum sei in der ganzen Welt zu schwach, um aus der Lage herauszukommen. Für die designierte US-Finanzministerin Janet Yellen bedeute der Stand der US-Staatsschulden eine enorme Herausforderung. Das gelte auch für die Staatshaushalte in Europa. Die Eurozone (EA) weise eine Staatsverschuldung von Euro 10,9 Billionen und die Europäische Union (EU) von Euro 11,9 Billionen aus. Weit höher falle die Staatsverschuldung in Japan und China aus.

Die öffentlichen Schulden in Deutschland seien wegen der enorm hohen Corona-Kosten auf ein Rekordniveau angewachsen. Davon sei besonders der Bundeshaushalt betroffen. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung seien Ende September 2020 mit Euro 2,2 Billionen verschuldet gewesen. Seit Ende 2019 bis zum Beginn des 4Q/20 sei die Verschuldung des Bundes um 20,3% gestiegen. Die Neuverschuldung der Länder weise einen Anstieg um 9,1% auf. Die Corona-Pandemie habe die jahrelange Konsolidierung der Staatsfinanzen zunichte gemacht. Die "schwarze Null" habe die Staatsschulden wieder unter die Maastrichter Stabilitätskriterien gedrückt. Jetzt könne davon keine Rede mehr sein. Das Jahr 2021 beginne mit einem historischen Höchststand der öffentlichen Verschuldung.

Die Teuerungsraten seien immer noch so niedrig, dass von "Inflation" gar keine Rede sein könne. Das liege in der Hauptsache an der wegen der Konjunkturkrise stark gesunkenen Geldumlaufgeschwindigkeit. Bei einer Wende in der Wirtschaftsentwicklung werde diese wieder zunehmen und als Produkt mit der Steigerung der Geldmenge zu hören Inflationsraten führen.

Die Geldpolitik bleibe weiter ultra-expansiv. Geld- und Rentenmarkt seien keine Alternative für Wertpapierinvestitionen. Am Aktienmarkt sei zu beachten, dass die Bewertungskennzahlen schon sehr hoch seien und dadurch die Volatilität steige. Es empfehle sich, auf die fundamentalen Unternehmensdaten zu achten. Sehr aussichtsreich erscheine der Wasserstoffantrieb.

Als einziger Ausweg aus der Misere erscheine aus Sicht der Politiker eine Fortsetzung der bereits unseriösen Geld- und Verschuldungspolitik. Doch man müsse sich klar sein, dass diese Verschuldung über kurz oder lang zu mehr Inflation führen werde. Und dagegen helfe nur eine Anlage in Gold. Nach drei Monaten Korrektur innerhalb eines Aufwärtstrends sei jetzt wieder eine günstige Gelegenheit zu Zukäufen erreicht. Aus technischer Sicht seien der plötzliche Einbruch aufgrund von Leerverkäufen und die verbreitete Skepsis ein Kaufsignal. (11.01.2021/alc/a/a)