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Fünf Prozent US-Inflation: Kein Grund zur Panik!


10.06.21 15:30
Merck Finck

München (www.anleihencheck.de) - Der eben veröffentlichte, erneute sprunghafte Anstieg der US-Inflation auf 5,0 Prozent im Mai ist kein Grund zur Panik, so Robert Greil, Chefstratege der Merck Finck a Quintet Private Bank.

Dass im Vergleich zur quasi stillgelegten Wirtschaft im Vorjahr die Preise mit dem Abklingen der Covid-Krise stärker steigen würden, sei klar gewesen. Schließlich würden hinter der jüngsten Entwicklung primär Basiseffekte und temporäre Entwicklungen stecken. Auf Monatsbasis sei der Inflationsanstieg im Mai zum April (+0,6 Prozent) gegenüber dem Vormonat (+0,8 Prozent im April gegenüber März) aber bereits rückläufig. Die Experten würden davon ausgehen, dass die US-Inflation bereits in diesem Quartal ihren Höhepunkt erreiche. In Richtung Sommer dürfte dann bereits die Normalisierung einsetzen - zumindest in den USA. Für Europa würden die Experten einen ähnlichen Verlauf auf voraussichtlich etwas niedrigerer Basis erwarten, nur um rund ein Quartal verzögert.

Es gebe fünf gute Gründe dafür, dass sich die Inflation wieder normalisieren werde:

1. Die statistischen Basiseffekte durch die besonders geringen Inflationsraten im Vorjahr würden nach und nach auslaufen.

2. Die vorübergehenden Engpässe auf der Angebotsseite dürften sich großteils wieder auflösen. Die vielerorts verhängten Lockdowns hätten teils Versorgungslücken auf der Angebotsseite zur Folge, die sich jedoch nach und nach auflösen sollten. Auch meisten Anstiege von Transportkosten sollten sich als vorübergehend erweisen.

3. Die Nachholeffekte auf der Nachfrageseite würden naturgemäß ebenfalls nicht von Dauer sein. Nachdem viele Konsumenten in der Pandemie überdurchschnittlich viel gespart hätten0, fließe nun ein Teil der Überschussersparnisse in den Konsum und heize die Inflation damit vorübergehend an. Allein in den USA seien etwa 2 Billionen US-Dollar mehr als üblich gespart worden.

4. Der Wachstumstrend der Löhne und Gehälter - der wichtigste Treiber nachhaltiger Inflationstrends - sei sehr moderat und dürfte es auch bleiben. Das halte die Inflation im Zaum.

5. Längerfristig wirke zudem die durch die Pandemie noch schnellere Digitalisierung weiterhin disinflationär. Da die Digitalisierung während der Pandemie einen Schub bekommen habe und die Experten auf dieser Basis dynamische Innovationstrends erwarten würden, könnte die Gesundheitskrise aus diesem Blickwinkel auf längere Sicht sogar bremsend auf die Inflation wirken.

Unter dem Strich heiße das: Kurzzeitig könne die Inflation einen weiteren Sprung nach oben machen. Anschließend sollte sie sich nach und nach auf einem etwas höheren Niveau als vor der Pandemie weitgehend normalisieren. Auf lange Sicht spreche jedoch vieles eher wieder für moderate Inflationsraten und weiterhin niedrige Zinsen. Die Zentralbanken würden sich also kaum von ihrer lockeren Geldpolitik abwenden, aber die Märkte würden deren Langmut austesten. Insofern sei mit Volatilität zu rechnen - insbesondere an den Rentenmärkten.

Für Anleger heiße das: Die Inflation dürfte längerfristig weiterhin primär bei den Vermögenspreisen stattfinden, während das Gros der Inflation der Konsumentenpreise sich als vorübergehend erweisen sollte. An Aktien und anderen Realwerten führe daher weiterhin kein Weg vorbei. Einerseits könnten sie als Inflationsschutz wirken, andererseits würden sie ein Ausweg aus der Niedrigzinsfalle bleiben. (10.06.2021/alc/a/a)