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Flossbach-Stratege: Die Zinswende ist dauerhaft abgeblasen


08.01.21 11:00
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Rund um den Globus haben sich Regierungen in den vergangenen Monaten mit gewaltigen Geldsummen gegen die wirtschaftlichen Härten der Corona-Pandemie gestemmt, so die Experten von "FONDS professionell".

In der Folge seien die Staatsschulden drastisch gestiegen. "Bezahlen lässt sich das dauerhaft nur mit sehr niedrigen Zinsen, wofür die Notenbanken sorgen werden", sage Philipp Vorndran, Investmentstratege bei Flossbach von Storch (FvS). "Wer tatsächlich noch daran geglaubt oder gehofft hatte, die Zinswende nach oben würde irgendwann doch noch kommen, den sollte Covid-19 aufgeweckt haben." Anders ausgedrückt: Die Zinswende falle wohl dauerhaft flach.

Investoren sollten auf Sachwerte setzen, rate der Stratege - "allen voran Aktien von sehr guten Unternehmen". Dieser Rat sei nicht neu, gewinne angesichts der weltweiten Schulden- und Zinsmisere aber an Eindringlichkeit. In nicht allzu ferner Zukunft dürfte sich die Ertragslage bei Zinsprodukten sogar noch verschlechtern: Dann nämlich, wenn die Inflationsrate steige. "Notenbank- und Fiskalpolitik zusammen erzeugen einen zunehmenden Inflationsdruck, der sich in den kommenden Jahren entladen könnte", warne Vorndran. Eine Hyperinflation befürchte er nicht, wohl aber deutlich höhere Teuerungsraten als in den vergangenen Jahren.

Der FvS-Mann rate dazu, bei der Aktienauswahl nach besonders soliden und hochwertigen Papieren zu suchen. So würden es die Experten der Kölner Investmentboutique auch selbst halten. "Wir schauen auf Unternehmen, die über ein erprobtes Geschäftsmodell verfügen, verlässlich wachsen, eine sauber finanzierte Bilanz und ein erstklassiges Management haben, außerdem global aufgestellt sind", sage Vorndran. Qualitätstitel könnten auch größere Krisen weitgehend schadlos überstehen, erkläre er - oder würden sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen.

Zugleich sollten Anleger allerdings darauf achten, keine zu hoch bewerteten Aktien zu kaufen. "Qualität hat ihren Preis, doch auch der hat Grenzen", sage Vorndran. "Wenn das Allerbeste bereits eingepreist scheint, dann ist ein sehr gutes Unternehmen zwar immer noch ein sehr gutes Unternehmen, vermutlich aber kein sehr gutes Investment." (Ausgabe vom 07.01.2021) (08.01.2021/alc/a/a)