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Fiskalpolitik ist nun gefragt


10.02.21 09:45
La Française AM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Alles begann im November 2008, als die US-Notenbank die quantitative Lockerung einführte, so die Experten von La Française AM.

Seitdem hätten Zentralbanken auf der ganzen Welt (Europäische Zentralbank, Bank of England, Bank of Japan, etc.) verschiedene quantitative Lockerungsmaßnahmen (QE 2, QE 3) auf den Weg gebracht, die bei zahlreichen Finanzanlagen (Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Aktien) eingesetzt würden. Niemand wisse, wie sich die Krisen von 2008 oder 2011 ohne die monetären Maßnahmen der Zentralbanken entwickelt hätten.

"Die quantitative Lockerung hat sicherlich ihre Schwächen, aber sie hat es einigen Industrieländern ermöglicht, Haushaltsdefizite zu verzeichnen, ohne einen Anstieg ihrer langfristigen Zinssätze zu befürchten", sage François Rimeu, Senior Strategist, von La Française AM.

Seit geraumer Zeit sei es offensichtlich, dass die Geldpolitik alles erreicht habe, was sie habe erreichen können. Weitere groß angelegte Anleihekäufe würden keinen signifikanten Unterschied machen. Das sage die Europäische Zentralbank schon seit Jahren und neuerdings auch die US-Notenbank. "Jetzt ist der Zeitpunkt für fiskalische Interventionen gekommen. Eigentlich war das schon vor der Corona-Krise der Fall, aber jetzt trifft es noch stärker zu", sei der Experte überzeugt.

Und weiter: "In den kommenden Jahren werden wir wahrscheinlich beobachten, dass die Zentralbanken ihre lockere Haltung beibehalten und die Regierungen höhere Haushaltsdefizite ausweisen." Vor der Corona-Krise seien die Regierungen eher zurückhaltend gewesen, wenn es darum gegangen sei, sehr große Haushaltsdefizite zu verursachen, da sie Inflation oder eine mögliche Zahlungsunfähigkeit befürchtet hätten. Diese Gründe scheinen nicht mehr zu gelten, da die Inflation in den letzten Jahren unter dem Zielwert lag und die Zentralbanken ihre Anleihekaufprogramme an die Emission neuer Anleihen anpassten, so die Experten von La Française AM.

"Vor allem aber wäre es im aktuellen Umfeld für jede Partei politischer Selbstmord, eine Reduzierung der Steuerausgaben zu verkünden", so Rimeu. Die Arbeitslosigkeit sei hoch und steige, die Dienstleistungsunternehmen seien immer noch stark von der Pandemie betroffen und die Unsicherheit sei weiterhin sehr groß. "Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um die Fiskalausgaben zu verringern. Die Bevölkerung würde dies nicht verstehen, und es könnte schließlich zu sozialen Unruhen führen, die in der aktuellen Situation sehr schwer zu bewältigen wären", glaube Rimeu und sage abschließend: "Derzeit weiß niemand, inwieweit der fiskalische Anreiz eingeschränkt werden kann. Solange es darauf keine Antwort gibt, wird die lockere Fiskalpolitik weitergehen." (10.02.2021/alc/a/a)