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Fiskalische Dominanz der Geldpolitik tritt immer deutlicher zutage


09.02.21 10:45
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wir starten ins Jahr 2021 durch - und die Zahl der Geimpften nimmt weltweit zu, so Dr. Hans-Jörg Naumer, Director, Global Capital Markets & Thematic Research bei Allianz Global Investors im aktuellen "Kapitalmarktbrief".

Zwar regional sehr unterschiedlich und es könnte gefühlt überall schneller gehen, aber immerhin. Hoffnung bestehe: Auf ein Ende dieses Covid-19-Tunnels. Hoffnung auch vonseiten der Konjunktur, wenn das Bild hier auch uneinheitlich sei. Der siebte monatliche Anstieg in Folge unseres großen Konjunktur-Aggregats wurde im Dezember hauptsächlich durch China und andere asiatische Volkswirtschaften sowie das Verarbeitende Gewerbe getragen, so Dr. Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors weiter. Demgegenüber hätten sich die Makrodaten für die USA und das Vereinigte Königreich vor allem aufgrund der negativen Auswirkungen der Pandemie abgeschwächt. Eine Fortsetzung des zuletzt überraschend besseren Datentrends in der Eurozone erscheine im Szenario verschärfter Lockdown-Maßnahmen kurzfristig unwahrscheinlich.

Vor diesem Hintergrund erwarte Dr. Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors eine wellenförmige Entwicklung der globalen Wirtschaftsleistung: Im letzten Quartal 2020 und im aktuellen Quartal 2021 sollte sich das Wachstum unter Potenzial entwickeln, während man auf einen Wachstumspfad oberhalb dessen für den weiteren Verlauf dieses Jahres hoffen könne, je weiter die Impfungen vorankämen. Insgesamt schreibe sich das Wachstumsszenario eines "umgekehrten Wurzelzeichens" fort.

Die globalen Zentralbanken würden derweil alle verfügbaren Mittel einsetzen, um auf die wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen des globalen Angebots- und Nachfrageschocks zu reagieren. Vereint mit der Fiskalpolitik würden sie an der "Reflationierung" der Weltwirtschaft arbeiten. Die begründete Hoffnung bestehe, dass sie eine Deflation abwenden könnten. Der Preis dafür sei zuletzt vor allem in den US-Staatsanleihen angekommen. Dort seien insbesondere die längeren Laufzeiten im Einklang mit den ebenfalls gestiegenen Inflationserwartungen gestiegen.

Ein baldiges Ende der zweiten Welle der finanziellen Repression, die über uns schwappt, ist das aber noch lange nicht, so Dr. Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. Schon gar nicht, wenn die Zentralbanken Staatsanleihen aufkaufen würden, als gäbe es morgen keine mehr. Die fiskalische Dominanz der Geldpolitik trete immer deutlicher zutage. Allein 2020 hätten die Bank of England (BoE) 50%, die Federal Reserve (FED) 57%, die Europäische Zentralbank (EZB) 71% und die Bank of Japan (BoJ) 75% aller seit Februar letzten Jahres emittierten Staatsanleihen aufgekauft. Und so gehe die Jagd nach Kapitaleinkommen weiter. Hoffen wir auf eine erkleckliche Dividendensaison, so Dr. Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors weiter. (Ausgabe Februar 2021) (09.02.2021/alc/a/a)