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Findet Argentinien einen Schuldenkompromiss?


20.05.20 15:30
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Bis zum Freitag, den 22. Mai, hat Argentinien Zeit, mit seinen Gläubigern einen Weg aus der Schuldenkrise zu finden, so die Experten von M&G Investments.

Ansonsten drohe - wieder einmal - der Staatsbankrott. Jetzt scheinen sich die Verhandlungen mit den Anleiheinvestoren auf eine Lösung hinzuentwickeln, erläutert Claudia Calich, Leiterin Schwellenländeranleihen bei M&G Investments.

In den letzten Tagen habe sich gezeigt, dass ein Kompromiss möglich sei. Inzwischen gebe es nur noch eine kleine Lücke zwischen den Forderungen der Gläubiger in Bezug auf den Rückzahlungswert der Anleihen und dem Angebot der argentinischen Regierung.

Der erste Vorschlag Argentiniens habe einige ungewöhnliche Aspekte enthalten. So sollten beispielsweise die aufgelaufenen Zinsen bis zum Beginn der Zahlung des ersten Kupons, die Anleger bei Umstrukturierungsprozessen normalerweise erhalten würden, nicht abgedeckt werden. Wie die angebotenen Kupons aussehen und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickeln würden, sei ein weiteres Beispiel. Angesichts der gegenwärtigen Situation des Landes sei der fiskalische Spielraum Argentiniens zwar sehr eng. Der Einsatz von Instrumenten wie Optionen, die an das Wirtschaftswachstum gekoppelt würden, würde den Wert des Angebots jedoch erhöhen.

Solche Optionen seien für beide Seiten von Vorteil, da sie die Interessen der Anleihegläubiger und das Wohlergehen des Landes in Einklang bringen würden. Der von den Anleihegläubigern vorgeschlagene Schwellenwert bedeute, dass der Wert der Optionen steige, wenn die argentinische Wirtschaft laut offiziellen Statistiken des Internationalen Währungsfonds um 3% oder mehr wachse. Davon würden nicht nur die Anleihegläubiger profitieren. Das Wachstum würde gleichzeitig bedeuten, dass sich die Wirtschaft des Landes besser entwickele und das Einkommensniveau der Bevölkerung wieder steige. Dies sei also ein fairer Vorschlag, von dem beide Seiten profitieren würden.

Vor diesem Hintergrund sei es sehr wahrscheinlich, dass Argentinien und seine Gläubiger zu einer Einigung kommen würden, auch wenn angesichts der knappen Frist bis Freitag vielleicht nicht genug Zeit bleibe, um aus technischer Sicht alles zu erledigen. Wenn das der Fall sei, werde Argentinien in Zahlungsverzug geraten, aber die Experten würden erwarten, dass der Interessensausgleich dann vereinbart und gleich danach bekannt gegeben werde. (20.05.2020/alc/a/a)