Erweiterte Funktionen

Finanzsystem: Der "Monetäre Superzyklus" als Inflationstreiber


06.10.21 11:00
FERI Institut

Bad Homburg (www.anleihencheck.de) - Die westliche Welt befindet sich in der Spätphase eines monetären Superzyklus, der seit 50 Jahren in mehreren Wellen stark expandiert, so die Experten von FERI Cognitive Finance Institute.

Seine Treiber seien expansive Notenbankpolitik und exzessiv steigende Geldmengen. Die Dynamik des Superzyklus habe sich ab 2020 dramatisch beschleunigt, stoße nun jedoch an Grenzen. Mittelfristig drohe ein perfekter Sturm, der das globale Finanzsystem erschüttern und gravierende wirtschaftliche und soziale Verwerfungen nach sich ziehen könnte. Dies seien die Kernaussagen der neuen Studie des FERI Cognitive Finance Institute "The Monetary Supercycle - Ursachen, Bedeutung und mögliche Konsequenzen der massiven monetären Aufblähung".

"Die enorme monetäre Aufblähung des globalen Systems birgt hohe Risiken. Vermögenswerte sind bereits stark inflationiert, doch nun droht auch der Realwirtschaft steigende Inflation. Setzt sich die Preisdynamik fort, wird das Vertrauen in Geldwerte und Währungen - aber auch in Notenbanken - schnell erodieren", warne Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute.

Betrachte man die Entwicklung aus einer übergeordneten Perspektive, so zeige sich das beunruhigende Muster einer zunehmenden Eskalation. Die "monetären Wellen" würden demnach in immer kürzeren zeitlichen Abständen kommen; gleichzeitig übertreffe jede neue Welle die jeweils vorhergehende in Ausmaß und Intensität um ein Mehrfaches. Die Instrumente der monetären Aufblähung hätten von einfacher Geldmengenexpansion über notenbankinduzierte Wertpapierkäufe (Quantitative Easing) bis hin zu offener Monetisierung staatlicher Schulden und Defizite durch Notenbanken (Overt Monetary Financing) gereicht.

Ein Blick auf die großen Zentralbanken zeige, wie brisant die Lage sei: So habe sich seit 2008 die Bilanzsumme der US-Notenbank durch das gewaltige Volumen neu gedruckten Geldes verzehnfacht; die EZB verbuche heute sechsmal so viele Aktiva in ihrer Bilanz wie vor 13 Jahren. "Diese massive Aufblähung des Finanzsystems ist extrem beunruhigend. Gleichzeitig sorgen Notenbanken durch großvolumige Übernahme von Staatsschulden für monetäre Staatsfinanzierung durch die Hintertür", so Rapp.

Das globale Finanzsystem sei durch die Folgen des monetären Superzyklus zunehmend anfällig für systemische Krisen. Besonders das Inflationsrisiko werde derzeit stark unterschätzt. "Politik und Notenbanken nehmen Geldentwertung kaum noch als Problem wahr. Sie sehen darin vielmehr eine Lösung, etwa um sich der hohen Staatsverschuldung zu entledigen", erkläre Rapp. Diese verzerrte Wahrnehmung resultiere daraus, dass strukturelle Effekte wie der Aufstieg Chinas, die demografische Entwicklung und die Digitalisierung in den letzten 20 Jahren preisdämpfend gewirkt hätten. "Diese Faktoren verlieren inzwischen jedoch stark an Wirksamkeit", so Rapp.

Zuletzt habe die Inflationsrate in den USA mit über 5 Prozent den höchsten Wert seit 13 Jahren erreicht, auch in Deutschland zeige sich ein starker Anstieg der Preistendenz auf einen 28-Jahres-Höchstwert. Die Kombination hoher Inflationsraten mit niedrigem Wirtschaftswachstum könnte die Risiken für das Finanzsystem in den nächsten Jahren signifikant erhöhen. "Die Notenbanken hätten dann erstmals ein ernstes Problem, das durch erneutes Gelddrucken nicht mehr gelöst werden kann", warne Rapp. Investoren und Vermögensinhaber sollten sich dieser Brisanz bewusst sein und entsprechend kritisch und mit strategischer Perspektive agieren.

Die Studie "The Monetary Supercycle - Ursachen, Bedeutung und mögliche Konsequenzen der massiven monetären Aufblähung" stehe zum Download unter https://www.feri-institut.de/content-center zur Verfügung. (06.10.2021/alc/a/a)