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Federal Reserve unbeirrt: Zinsanhebung und Plan zur Bilanzreduzierung!


15.06.17 09:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Federal Reserve hatte alles vorbereitet und letztlich entsprechend geliefert: Auf der gestrigen Notenbanksitzung wurde erwartungsgemäß eine weitere vorsichtige Normalisierung der US-Geldpolitik beschlossen und die FED Funds Target Rate leicht um 25 BP angehoben, so die Analysten der Nord LB.

Damit notiere die obere Grenze für den Leitzins nun bei 1,25%. Diese geldpolitische Maßnahme sei nach den Äußerungen diverser US-Notenbanker antizipiert worden. Es handele sich somit um keine Überraschung. Die Entscheidung im Gremium sei nicht einstimmig gewesen: Mit Neel Kashkari (Chef der FED von Minneapolis) habe ein stimmberechtigtes FOMC-Mitglied gegen die Zinsanhebung votiert.

Das im Fokus stehende Statement sei entgegen einigen pessimistischen Erwartungen eher hawkish ausgefallen! Zwar sei angemerkt worden, dass die wirtschaftliche Aktivität bisher in 2017 moderater zugelegt habe, dass aber die Arbeitslosenquote weiter gefallen sei und sowohl die Konsumausgaben als auch die Investitionen gestiegen seien. Wirklich bemerkenswert sei, dass sich die Notenbank offenbar nicht groß besorgt über die zuletzt rückläufige Inflationsrate (samt Kernrate) zeige, sondern perspektivisch eine Stabilisierung im Bereich der 2%-Marke erwarte.

Erstaunlich wenig Veränderungen habe es bei den aktualisierten Projektionen gegeben. Das bedeute auch, dass die Mehrheit der Notenbanker noch eine Leitzinsanhebung vornehmen wolle. Mit dem nun erfolgten zweiten Zinsschritt nach oben sei man im Plan. Ob der dritte Zinsschritt im September oder erst im Dezember erfolge, werde von der konjunkturellen Entwicklung abhängen.

Als bedeutsam dürfe der Anhang bezeichnet werden, im dem der Plan zur Reduzierung der Bilanzsumme skizziert worden sei. So könnten zunächst monatlich 10 Mrd. USD Wertpapiere aus der Bilanz veräußert werden (Immobilienanleihen: 4 Mrd. USD, Treasuries: 6 Mrd. USD). Anfänglich würde diese Maßnahme im Prinzip ein Ende der Reinvestitionen rückläufiger Anleihen bedeuten. Quartalsweise würde dieses Programm aber um 10 Mrd. USD aufgestockt werden, bis zu einer monatlichen Summe von 50 Mrd. USD. Damit würde also ein deutlicherer Abbau erfolgen. Der Termin für den Start der ersten Wertpapierverkäufe bleibe zwar noch offen - man wolle aber in 2017 beginnen.

Auf der anschließenden Pressekonferenz habe sich Notenbankchefin Janet Yellen gewohnt bedeckt gehalten. Immerhin habe sie aber erkennen lassen, dass sie die Normalisierung der Notenbankbilanz "relativ bald" anpeile. Das spreche weiterhin für den Beginn dieser Maßnahme im 2. Halbjahr 2017.

Das Basisszenario der Analysten bleibe ein dritter Rate Hike im September, gefolgt von einer Anpassung der Notenbankbilanz im Dezember. Denkbar sei auch die umgekehrte Reihenfolge. Die Wahrscheinlichkeit eines Abwartens - im Herbst oder Winter - sei zuletzt aber durchaus etwas gestiegen.

Der zweite Zinsschritt in 2017 sei von der Federal Reserve vollzogen worden - die FED Funds Target Rate sei gestern leicht auf 1,25% angehoben worden. Diese geldpolitische Maßnahme sei verbal gut vorbereitet worden und sei wenig überraschend. Bemerkenswert sei der relativ hawkishe Tenor im Statement, in dem die Notenbanker die zuletzt rückläufige Preisentwicklung als unproblematisch ansehen würden.

Mit dem nun veröffentlichten Plan zum Verkauf von Wertpapieren sei zudem ein wesentlicher weiterer Schritt hin zu der angekündigten Bilanzverringerung gemacht worden. Nun würden eigentlich nur noch solide Wirtschaftsdaten und ein Termin für den Kick-Off fehlen. Mit einem weiteren Zinsschritt und der Bilanzreduzierung sollte also im 2. Halbjahr gerechnet werden - wenn sich die wirtschaftlichen Aussichten so bessern würden, wie in den unveränderten Projektionen erwartet. (15.06.2017/alc/a/a)