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FOMC-Zinssitzung: Alles andere als eine Zinsanhebung wäre eine riesengroße Überraschung!


12.06.17 09:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den nächsten Tagen stehen in den USA zahlreiche Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Besonderes Augenmerk dürften die Marktteilnehmer auf die am Mittwoch anstehenden Verbraucherpreiszahlen für Mai richten. Zuletzt habe die Inflationsentwicklung enttäuscht. Das habe aber in erster Linie an Sondereffekten im Zusammenhang mit der Einführung einer neuen Berechnungsmethode für die Preisentwicklung von Mobilfunktarifen bzw. Heilmitteln (hedonische Preismessung) sowie einer Abschwächung beim Preisanstieg für Mieten und selbstgenutztes Wohneigentum gelegen. Beide Effekte hätten die Kerninflationsrate im März und April um in Summe 0,3 Prozentpunkte gedrückt. Für Mai rechnen die Analysten der RBI erneut mit einer verhaltenen Inflationsentwicklung. Bereinigt um saisonale Effekte dürfte der Verbraucherpreisindex gegenüber April lediglich stagniert haben. Ohne die Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln erwarte man ein Plus in Höhe von 0,1% p.m.

Ebenfalls am Mittwoch würden die Einzelhandelsumsatzzahlen für Mai bekannt gegeben. Infolge des für einen Mai untypischen Kraftstoffpreisrückgangs dürften die Einzelhandelspreise im letzten Monat gesunken sein. Der nominal berichtete Einzelhandelsumsatz dürfte daher lediglich stagniert haben. In der relevanten realen Abgrenzung sollte sich dagegen ein Anstieg zum Vormonat ergeben.

Mit den Zahlen zur Industrieproduktion für Mai stehe am Donnerstag ein weiterer "harter" Konjunkturindikator an. Die vorliegenden Zahlen zu Beschäftigung und Wochenarbeitsstunden im Verarbeitenden Gewerbe würden auf eine leicht rückläufige Produktion hindeuten. Demgegenüber dürfte der Output im Bergbau sowie in der Öl- und Gasförderung deutlich gestiegen sein. Aufgrund des sehr hohen Gewichts des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamten Industrieproduktion dürfte diese im Vormonatsvergleich dennoch nur stagniert haben.

Mit dem Empire State Manufacturing Index und dem Philadelphia FED Index (beide Do.) würden die beiden ersten relevanten regionalen Stimmungsumfragen für das Verarbeitende Gewerbe im Juni veröffentlicht. Nach dem markanten Anstieg des Philadelphia FED Index im Mai rechne der Konsens bei diesem Indikator mit einem deutlichen Rücksetzer.

Hauptaugenmerk der Marktakteure werde in den nächsten Tagen zweifelsohne auf der FOMC-Zinssitzung am 14. Juni liegen. Dabei gehe es in erster Linie aber nicht darum, ob die Währungshüter den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,00% bis 1,25% anheben würden. Alles andere als eine Zinsanhebung wäre eine riesengroße Überraschung. Was die Marktteilnehmer vielmehr interessiere, sei zum einen, ob sich der projizierte Leitzinspfad verändere und ob es Ankündigungen zu einem möglichen Abbau des riesigen Wertpapierportfolios der FED gebe.

Was den projizierten Leitzinspfad angehe, bestehe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser für 2018 von drei auf vier Zinsanhebungen nach oben verschiebe. Verglichen mit März müsste hierzu nur eines von sechs FOMC-Mitgliedern, die für Ende 2018 ein Leitzinsniveau von 2,00% bis 2,25% als angemessen angesehen hätten, in der Juni-Projektion für das nächste Jahr einen Zinsschritt mehr erwarten. Angesichts der jüngsten Arbeitsmarktentwicklung - Arbeitslosenquote nahe früherer zyklischer Tiefs und weiter fallend, Anzahl der offenen Stellen auf Rekordniveau, Anzahl arbeitssuchender Menschen je offener Stelle auf niedrigstem Stand seit dem Jahr 2000 - sehen die Analysten der RBI das als nicht unrealistisch an.

Über den nach wie vor nur geringen Inflationsdruck dürften sich die Währungshüter dagegen keine Sorgen machen. Im Gegenteil: Sie könnten sich wohl keine bessere Situation wünschen als einen voll ausgelasteten Arbeitsmarkt bei gleichzeitiger Preisstabilität. In diesem Umfeld könnten sie ihre geldpolitische Normalisierung in Ruhe fortsetzen.

Mit Blick auf den Abbau des Anleiheportfolios dürfte FED-Präsidentin Janet Yellen auf der Pressekonferenz recht konkret werden. Jüngste Äußerungen diverser FOMC-Mitglieder sowie das Sitzungsprotokoll von Mai würden nahe legen, dass es einen Konsens im FOMC gebe, noch in diesem Jahr mit dem Abschmelzen der Notenbankbilanz zu beginnen.

Frau Yellen dürfte sowohl Aussagen zum wahrscheinlichen Beginn der Bilanzreduktion - die Analysten der RBI rechnen mit dem vierten Quartal 2017 - sowie zum Tempo des avisierten Abbaus - die Analysten halten als Einstieg eine monatliche Reduktion um USD 5 Mrd. bis 10 Mrd. für wahrscheinlich, die über einen Zeitraum von neun bis 12 Monaten auf das Endniveau von USD 25 Mrd. bis 35 Mrd. hochgefahren werden dürfte - machen. Das Zielvolumen der Notenbankbilanz, das die Analysten der RBI bei USD 2,25 Bio. bis 2,5 Bio. sehen, wäre damit im Jahr 2022 oder 2023 erreicht. Lägen die Analysten mit ihrer Einschätzung richtig, sollten die Kurse amerikanischer Staatsanleihen sowohl im 10- als auch im 2-jährigen Laufzeitbereich zumindest leicht unter Druck kommen. (Ausgabe vom 09.06.2017) (12.06.2017/alc/a/a)