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FOMC: The Time Turns to Tapering - a Transitory Tiny Technical Type of Tightening!


04.11.21 10:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die gestrige Sitzung der Federal Reserve stand ganz im Zeichen von hohen Inflationssorgen und gleichzeitig kritischen Engpässen bei Rohstoffen, Gütern und Arbeitskräften, die die konjunkturellen Aufwinde zuletzt etwas bremsten, so die Analysten der Nord LB.

In diesem Umfeld sei auf eine Reduzierung des seit Beginn der Pandemie laufenden Aufkaufprogramms von bisher USD 120 Mrd. pro Monat spekuliert worden.

Wie weitgehend erwartet, sei gestern tatsächlich ein Tapering verkündet worden. Es sei nun auch Zeit gewesen - und die FED habe geliefert! Demnach werde ab November das bisherige Ankaufvolumen jeweils zur Mitte jeden Monats um USD 15 Mrd. reduziert (US-Treasuries: USD 10 Mrd.; Hypothekenanleihen: USD 5 Mrd.). Letztlich laufe das Quantitative Easing damit im Juni 2022 aus, wenngleich sich das FOMC vorbehalte noch einmal einzugreifen, falls es der Konjunkturausblick erforderlich machen sollte. Diese Entscheidungen seien gut vorbereitet und nicht überraschend gewesen, genauso wie jene, dass die obere Bandbreite der Target Rate bei 0,25% verbleibe. Im Gremium habe es keine Gegenstimmen gegeben.

Das FOMC-Statement habe einige Anpassungen enthalten: Sei noch im September angegeben worden, dass der Anstieg der Inflation überwiegend transitorischen Faktoren geschuldet sei, sei nun vermerkt worden, dass diese Faktoren "voraussichtlich nur vorübergehend sein werden". Auch Begründungen in Form von "Angebots- und Nachfrageungleichgewichten im Zuge der Pandemie und der folgenden Wiedereröffnung" seien angegeben worden. Perspektivisch erwarte die FED einen Rückgang dieser Angebotsengpässe, was die Konjunktur unterstützen und die Inflation drücken solle.

In der Pressekonferenz habe Jerome Powell signalisiert, dass das viel diskutierte Mantra eines "temporär" erhöhten Preisniveaus grundsätzlich bestehen bleibe. Er rechne mit einem Zurückweichen der preistreibenden transitorischen Faktoren im 2. oder 3. Quartal 2022 (wofür bereits die Basiseffekte sprechen würden). Sollte sich die Inflation aber nachhaltig über den Zielen der FED bewegen, werde diese ihre geldpolitischen Werkzeuge einsetzen, um Preisniveaustabilität zu gewährleisten.

Zum Thema Zinserhöhung - die ja in den diesmal nicht angerührten Projektionen von einer Mehrheit FED-Mitglieder bereits für 2022 vorgesehen würden - habe Powell wenig informativ angemerkt, dass Zinsschritte abhängig von der Konjunkturentwicklung seien. Eine andere Prognose sei ihm aber zu entlocken gewesen: Er erwarte Beschäftigungszuwächse von etwa 550.000-600.000 in den kommenden Monaten.

Ansonsten zeige die US-Notenbank durchaus Demut bei der Schwierigkeit in dieser unsicheren Zeit vorausschauend und lenkend zu agieren. Sie werde nach Erachten der Analysten weiterhin das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigungssituation im Blick haben - mit einer erhöhten Inflation scheine sie sich ohnehin bis Mitte nächsten Jahres abzufinden. Ob sie dann, wenn die Inflation im 2. Halbjahr 2022 (auch basisbedingt) zurückgehen dürfte, umgehend die Zinsen anheben werde, sei fraglich. Vielleicht werde die FED diese Phase abwarten. Sie werde agieren, wenn die Beschäftigungssituation es erlauben sollte. Bis dahin sei zu hoffen, dass das Virus keine erneute "Auferstehung" erlebe.

Die Finanzmärkte hätten auf diese Nachrichten mit anziehenden Aktienkursen und Renditen für US-Treasuries sowie mit einem wenig veränderten Euro bei knapp unter 1,16 USD reagiert.

Die US-Notenbank habe reagiert und die sukzessive Verringerung des Ankaufsvolumens (Tapering) verkündet. Es sei nun auch Zeit gewesen - und die FED habe geliefert! Demnach werde ab November das Ankaufvolumen von bisher USD 120 Mrd. jeweils zur Mitte jeden Monats um USD 15 Mrd. reduziert. So würde das Quantitative Easing im Juni 2022 auslaufen - Eingriffe bei verändertem Konjunkturausblick wären aber denkbar.

Jerome Powell habe das Mantra eines "temporär" erhöhten Preisniveaus bestätigt. Er rechne mit einem Zurückweichen der preistreibenden transitorischen Faktoren im 2. oder 3. Quartal 2022. Sollte sich die Inflation aber nachhaltig über den Zielen der FED bewegen, werde diese ihre geldpolitischen Werkzeuge einsetzen. Ob die erste Zinsanhebung bereits in 2022 komme, habe Powell - wenig informativ - von der Konjunktur abhängig gemacht. Vielleicht sollte man in diesen Zeiten aber auch nicht zu viel spekulative Prognosen erwarten - die seien schließlich auch nur transitorisch! (04.11.2021/alc/a/a)