Erweiterte Funktionen

FOMC-Mitglieder: Von Zuversicht bis Rezession


07.09.18 10:30
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Kaum jemand dürfte gestern in Anbetracht gleich mehrerer aktueller Krisen erwartet haben, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar bis zum Ende der europäischen Handelssitzung die engste Bandbreite seit sechs Wochen produzieren würde, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Immerhin habe es einige ökonomische Neuigkeiten zu verarbeiten gegeben. So habe etwa das ifo-Institut die Wachstumsvorhersage für das laufende Jahr von 1,8 auf 1,9 Prozent erhöht, und auch für 2019 würden die Münchner Wirtschaftsforscher ein Plus in der gleichen Größenordnung voraussehen - beide Prognosen seien gegenüber den im Juni zuvor leicht gesenkten Vorhersagen wieder etwas verbessert.

Zur Entwicklung am US-Arbeitsmarkt habe es gestern neue Daten gegeben, wobei die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb des Agrarbereichs der Arbeitsmarktagentur ADP mit einem Plus von nur 163.000 allerdings recht enttäuscht habe. Auch die Zahl der geplanten Entlassungen sei gemäß der Challenger-Erhebung mit +13,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr im August überraschend stark angestiegen. Allerdings dürften sowohl diese volatile Zahl als auch die ADP-Daten keinen Zweifel an der Stärke des US-Arbeitsmarktes wecken und hätten sich auch nicht wesentlich im Kursgeschehen niedergeschlagen.

Was den Zustand der US-Konjunktur angehe, gebe es indes unterschiedliche Meinungen. Dies gehe zumindest aus den jüngsten Reden dreier Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank hervor. Während Raphael Bostic, Chef der FED von Atlanta, die ökonomischen Risiken als ausgewogen ansehe und sich daher für weitere Zinsschritte ausspreche, sehe dies Neel Kashkari ganz anders. Der Chef der FED von Minneapolis spreche sich gegen weitere Zinserhöhungen aus, zumal sich die Konjunktur noch nicht überhitzt habe.

Kashkari gelte übrigens genauso als Zinstaube wie sein Kollege James Bullard. Dieser habe nämlich tags zuvor ebenfalls vor weiteren Zinserhöhungen gewarnt, da die Geldpolitik der US-Notenbank bereits neutral oder sogar restriktiv sei. Deswegen würde man mit weiteren Zinsschritten unnötig die Risiken einer Rezession erhöhen. Bullard gehe sogar noch einen Schritt weiter und befürchte für das Ende dieses oder im kommenden Jahr eine inverse Zinsstrukturkurve, die vielerorts als Vorbote einer Rezession gesehen werde. Allerdings sei von allen drei Rednern allein Raphael Bostic in diesem Jahr im Offenmarktausschuss stimmberechtigt und könne sich als Chef der FED von Atlanta auch noch auf deren vielbeachtetes Prognosemodell GDP Now berufen, das zuletzt für die USA eine Wachstumsprognose von 4,4 Prozent im dritten Quartal berechnet habe.

Unterdessen bleibe der kurzfristige Aufwärtstrend des Euro weiterhin durch eine Korrekturbewegung (Untergrenze bei 1,1480/85) unterbrochen, könne aber nach Überschreiten von 1,1680 wieder aufgenommen werden. (07.09.2018/alc/a/a)