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FED wird die Zinsen kräftig anheben!


04.05.22 16:15
XTB

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Heute um 20:00 Uhr unserer Zeit wird die FED ihre Zinsentscheidung und ihre Pläne zum Abbau ihres 9 Billionen Dollar schweren Vermögensportfolios veröffentlichen, so die Experten von XTB.

- Die US-Notenbank werde die Zinssätze um 50 Basispunkte anheben
- Mit Blick auf den überbewerteten Dollar, das unterbewertete Gold und die US-Indices werde die weitere Kommunikation entscheidend sein
- Die FED müsse sich nicht nur mit einer hohen Inflation auseinandersetzen, sondern auch mit dem Risiko einer Verlangsamung oder gar einer Rezession in den USA und China

Am Zinsschritt bestehe kein Zweifel: Die FED werde heute beschließen, die Zinssätze um 50 Basispunkte anzuheben. Diese Möglichkeit hätten US-amerikanische Währungshüter zuletzt mehrfach betont. An den Märkten rechne man sogar mit vier solcher Schritte im Verlauf des Jahres. Zu bedenken sei jedoch, dass eine solche Anhebung damit nicht mehr überraschend käme und vom Markt bereits vollständig eingepreist sei. Jede Andeutung in Powells Erklärung oder jeder Kommentar zu den Zukunftsaussichten werde deshalb entscheidend für die weitere Entwicklung des Dollars oder der Aktienindices sein.

Die US-Notenbank habe derzeit nicht nur mit einer enormen Inflation zu kämpfen, sondern auch mit vielen anderen Problemen. Das Problem der heiß laufenden Konjunktur habe die Zentralbank selbstverständlich schon oft erwähnt, sie müsse aber auch andere Dinge im Blick behalten:

- ein Rückgang des BIP im ersten Quartal könne ein "Betriebsunfall" sein, sei aber auch ein Warnsignal

- Der reale Verbrauch in den USA verliere eindeutig an Fahrt

- Chinas Abschwung stelle ein ernstes Problem für die Federal Reserve dar

- Der Schock im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Aktienmarktes in China habe die FED bereits 2016 gezwungen, das Tempo der Zinserhöhungen zu verlangsamen

Der geringere Konsum in den USA könnte zu einem weiteren Rückgang des BIP im zweiten Quartal führen. Der zweite Punkt sei die Abschwächung in China. Weitere Beschränkungen, die in dem Land verhängt würden, oder die massive Abschwächung des Yuan würden für Ängste auf dem Markt sorgen. Darüber hinaus weise das Analysebüro der FED darauf hin, dass ein möglicher Rückgang des BIP-Wachstums in China um 2 Prozentpunkte eine Korrektur von 30% auf dem Ölmarkt auslösen könnte. Das wiederum würde zu einer massiven Verschiebung der Inflationserwartungen führen. Aufgrund der Probleme in China und eines möglichen Zusammenbruchs des globalen Aktienmarktes könnte die FED beschließen, eine etwas behutsamere Straffung vorzunehmen, ähnlich wie im Jahr 2016.

Die meisten Analysten würden nicht mit einer Anhebung um 75 Basispunkte rechnen. Aber angesichts des sehr angespannten Arbeitsmarktes sei ein solcher Schritt nicht auszuschließen. Die Inflation sei zwar viel höher als das Lohnwachstum, das derzeit bei knapp über 5% liege, doch zeige dies, dass die FED die Zinsen aggressiver anheben müsse, um auf der Nachfrageseite den Inflationsdruck abzubauen.

Die FED verfüge über einen Vermögensbestand von fast 9 Billionen Dollar. Vor der Pandemie habe dieser "nur" 4 Billionen betragen. Die politischen Entscheidungsträger hätten daher bei vielen Gelegenheiten den Wunsch geäußert, die Notenbank möge ihre Bilanz zügig wieder kürzen. Das heiße, die Vermögensbestände schneller abzubauen als noch in den Jahren 2018-2019. In diesem Zeitraum seien die Vermögenswerte von 4,5 Billionen Dollar auf 3,7 Billionen Dollar reduziert worden (das Tempo habe bei 10 Milliarden Dollar begonnen und bei 50 Milliarden Dollar geendet).

Derzeit deute der Median der Erwartungen auf eine Bilanzverkürzung von 20 Milliarden Dollar für Staatsanleihen und 15 Milliarden Dollar für Mortgage Backed Securities (festverzinsliche, hypothekenbesicherte Wertpapiere) hin. Die höchsten Prognosen würden sich auf 60 Milliarden Dollar bzw. 35 Milliarden Dollar belaufen. Eine Verringerung um mehr als 50 Milliarden Dollar würde sicherlich als eher restriktiv angesehen werden, und ein Überschreiten der Grenze von 100 Milliarden Dollar pro Monat könnte die Aktienmärkte zusätzlich unter Druck setzen.

Die US-Notenbank und Powell würden wahrscheinlich weiterhin eine restriktive Haltung einnehmen. Derzeit sei das Risiko einer Verlangsamung noch nicht eingetreten. Es gebe nur Warnsignale. Die FED müsse die Inflation schnell in den Griff bekommen, um später einer harten Landung entgegenwirken zu können. Dennoch bestehe eine gute Chance, dass es zu Gewinnmitnahmen komme, insbesondere an Märkten, die derzeit überverkauft oder überkauft seien. Sollte Powell hingegen eine mögliche Zinserhöhung um 75 Basispunkte im Juni ankündigen, könnte der Dollar weiter an Wert gewinnen und die Indices könnten weiter nachgeben. (04.05.2022/alc/a/a)