Erweiterte Funktionen

FED wird die Risiken über die Länge und das Ausmaß der Corona-Krise weiter betonen


27.07.20 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Diese Woche erfolgt mit der Veröffentlichung des US-BIP-Wachstums für das zweite Quartal eine erste Zwischenbilanz der Corona-Rezession, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Unser Konjunkturausblick für das Jahr 2020 (BIP-Wachstum: -5,3%) unterstellt ein Quartalswachstum von -10%, was einem annualisierten Quartalswachstum von -34,5% entspricht, so die Analysten der RBI. Die Bandbreite an verfügbaren Nowcasts sei substanziell und liege zwischen -14,3% annualisiertem Quartalswachstum der New York FED und -34,7% der Atlanta FED. Demzufolge wäre das zweite Quartal aufgrund der rasch eingetretenen Erholung und der kurzen Lockdown-Phase mit Aufwärtsrisiken behaftet.

Nichtdestotrotz müsse aber auch betont werden, dass sich der Industriesektor aber auch der Konsum von Dienstleistungen, im Gegensatz zum Konsum von Waren, bislang nur langsam erholt hätten und das BIP-Wachstum im zweiten Quartal deutlich belasten würden. Aufgrund der BIP-Veröffentlichung würden andere Daten für den Monat Juni (Auftragseingänge langlebiger Güter, persönliches Einkommen und Konsumausgaben) in den Hintergrund rücken.

Für die Finanzmärkte rücke auch die BIP-Veröffentlichung des zweiten Quartals zunehmend in den Hintergrund, überwiege doch die Sorge, dass die Erholung durch die neue Infektionswelle bereits wieder ein Ende gefunden haben könnte.

Nach Wochen sinkender Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sei dieser zeitnahe Gradmesser letzte Woche saisonbereinigt wieder gestiegen. Die konjunkturelle Unsicherheit habe keineswegs abgenommen. Die US-Notenbank FED werde demnach in ihrer bevorstehenden Zinssitzung die bestehenden Risiken über die Länge und das Ausmaß der Corona-Krise weiter betonen. In den vergangenen Zinssitzungen sowie in ausgewählten Reden von Mitgliedern des Offenmarktausschusses seien vielfach Möglichkeiten diskutiert worden, die Forward Guidance zu stärken. Neben der direkteren Bindung einer ersten Zinsanhebung an makroökonomische Indikatoren, wie Inflation oder Arbeitslosigkeit, stehe vor allem die mögliche Einführung von Renditeobergrenzen im Fokus. Diese würden im kurzen bis mittleren Laufzeitensegment der Treasury-Kurve angewandt werden und dadurch niedrige Renditen gewährleisten ohne die Notenbankbilanz weiter auszubauen. Aufgrund der geringen Erfahrung mit diesem geldpolitischen Instrument habe die FED bekundet jedoch bislang noch genauere Analysen durchführen zu wollen. Eine Einführung im weiteren Verlauf des Jahres scheine demnach wahrscheinlicher.

Neben den BIP-Daten und der FED-Zinssitzung würden Verhandlungen um ein weiteres US-Fiskal-Paket im Fokus stehen (rund USD 1.000 Mrd.). Die weitreichenden fiskalischen Maßnahmen hätten wesentlich zur rasch eingetretenen Erholung beigetragen. Mit Ende Juli würden einige Maßnahmen, insbesondere die Aufstockung der Arbeitslosenunterstützung, jedoch auslaufen. Bislang sei innerhalb der republikanischen Partei noch kein Gesetzesentwurf vorgelegt worden, es gelte jedoch als wahrscheinlich, dass die Aufstockung, wenn auch in reduzierterem Ausmaß, fortgesetzt werde. Ein nahtloser Übergang erscheine aber mittlerweile als schwierig. (Ausgabe vom 24.07.2020) (27.07.2020/alc/a/a)