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FED will mit schnellerer geldpolitischer Normalisierung ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen


05.05.22 10:45
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Falls die Ankündigung der Federal Reserve (FED) irgendetwas beweist, dann, dass die US-Notenbank auch weiterhin der Forward Guidance bei der Bestimmung des künftigen geldpolitischen Kurses Priorität einräumt, um den Finanzmärkten zu versichern, dass sie in einer Zeit erheblicher wirtschaftlicher Unsicherheit das Ruder fest in der Hand hält, so Jason England, Global Bonds Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.

Nach der missglückten Aussage über eine vorübergehende Inflation hätten der Vorsitzende Jerome Powell und sein Team noch viel Arbeit vor sich.

Wie angekündigt, habe die FED ihren Leitzins zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten um 50 Basispunkte (BP) erhöht. Kaum etwas anderes könne einen Handlungsdruck stärker hervorrufen als eine Inflationsrate von 8,5% im Jahresvergleich. Trotz dieses Schrittes seien die Experten der Meinung, dass die FED - und andere Zentralbanken - den Höhepunkt ihrer hawkishen Geldpolitik noch nicht erreicht hätten.

Die derzeitige Inflation habe nach Erachten der Experten zu viele unberechenbare Ursachen, als dass sie durch eine umsichtige Anhebung der Leitzinsen leicht wieder in den Griff zu bekommen wäre. Pandemiebedingte Lieferengpässe, eine wachsende Wirtschaft, eine zunehmende Deglobalisierung, der Krieg in der Ukraine und die historische Liquiditätsmenge, die von den Zentralbanken weltweit aus dem Nichts geschaffen worden sei, um die kurzzeitige Rezession abzufedern, hätten zu dem beispiellosen Anstieg der Preise in weiten Teilen der Weltwirtschaft beigetragen.

In seinen Kommentaren habe der Vorsitzende Powell dies eingeräumt und die Weichen für eine weitere Ausweitung des Normalisierungsprogramms gestellt. Dazu dürften zwei weitere Zinserhöhungen um 50 Basispunkte und eine rasche Beschleunigung des Bilanzabbaus gehören. Dieser solle letztlich 95 Mrd. USD monatlich betragen, indem fällig werdende Staatsanleihen und Hypothekenpapiere nicht mehr reinvestiert würden. Das solle nicht heißen, dass die FED ihr endgültiges Ziel geändert habe.

Auf ihrer März-Sitzung habe sie schließlich ihre Erwartung für den neutralen Leitzins von 2,5% auf 2,375% gesenkt. Aber angesichts der verzögerten Wirkung der Geldpolitik und einer Inflation, die sich auf dem höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten befinde, würden die Experten glauben, dass die FED mit der vorgezogenen Normalisierung die richtige Entscheidung getroffen habe und die Daten in der zweiten Jahreshälfte genau beobachten werde, um die Entwicklung von Preisen und Wirtschaftswachstum zu verfolgen.

Bislang deute alles darauf hin, dass die Kehrtwende der FED in den letzten Monaten auf den Finanzmärkten Anklang gefunden habe. Dies zeige sich vor allem in einer sich abflachenden Zinskurve. Im Laufe des Jahres 2022 sei die Rendite der 2-jährigen US-Staatsanleihe um 191 Basispunkte auf 2,64% gestiegen (nach dem Renditerückgang vom Mittwoch), da der Markt kurzfristige Leitzinserhöhungen eingepreist habe. Die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen sei dagegen weniger dramatisch, nämlich um 141 Basispunkte auf 2,92% gestiegen.

Nach Einschätzung der Experten sei der Markt der Ansicht, dass die FED eine echte Chance habe, die US-Wirtschaft zu einer sanften Landung zu führen. Hätte die FED ihre Glaubwürdigkeit bei den Anlegern verloren, wäre der Abstand zwischen den Renditen 10-jähriger und 2-jähriger Staatsanleihen wahrscheinlich höher als die derzeitigen 28 Basispunkte. Andere marktbasierte Daten würden die gleiche Botschaft vermitteln. Die Inflationserwartungen auf der Grundlage von Treasury Inflation Protection Securities (TIPS) seien von 3,73% Ende März auf 3,24% gesunken. Über einen 10-Jahres-Horizont würden die TIPS einen Jahresdurchschnitt von 2,88% implizieren und lägen damit ebenfalls unter ihrem jüngsten Höchststand. Interessant sei, dass beide nach der Ankündigung der FED leicht angestiegen seien.

Die Abflachung der Zinskurve habe das Umfeld für Anleiheinvestoren verändert. Während höhere Renditen bei kürzeren Laufzeiten eine willkommene Entwicklung für diejenigen sein mögen würden, die schon lange darauf gewartet hätten, mit liquideren Instrumenten höhere Renditen zu erzielen, mindere die nach Erachten der Experten fehlende angemessene Laufzeitprämie bei längerfristigen Staatsanleihen derzeit die Attraktivität dieser Wertpapiere. Dies gelte insbesondere angesichts des derzeit hohen Inflationsniveaus, zu dessen Ursachen auch solche gehören würden, die möglicherweise nicht auf höhere Leitzinsen reagieren würden.

Wie die FED würden auch die Experten genau beobachten, ob es in den nächsten Monaten Anzeichen für einen nachlassenden Inflationsdruck gebe. Dies werde wahrscheinlich dauern, und vieles hänge davon ab, dass Lieferunterbrechungen und Arbeitskräftemangel behoben würden. Die Experten seien nach wie vor der Ansicht, dass der Markt die Zahl der Zinserhöhungen, die die FED im Laufe des nächsten Jahres vornehmen werde, wahrscheinlich zu hoch eingeschätzt habe.

Schließlich handele es sich hier um die Powell-FED, die in der Vergangenheit immer eher zu einer lockeren Geldpolitik tendiert habe. Doch angesichts einer Inflation, die sich auf dem höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten befinde, sei "Vorsicht" ein relativer Begriff geworden. Der angespannte Arbeitsmarkt gebe der FED den Handlungsspielraum, die Eindämmung der für die amerikanischen Haushalte schmerzhaften Inflation den Vorrang zu geben. Bis dies erreicht sei, werde jede Tendenz den Wachstumskurs beizubehalten, wahrscheinlich in den Hintergrund rücken.

Die Futures-Märkte würden derzeit das Potenzial für etwa acht weitere Zinserhöhungen im Jahr 2022 sehen. Unmittelbar nach der Andeutung des Vorsitzenden Powell, dass eine noch hawkishere Anhebung um 75 Basispunkte wahrscheinlich nicht in Frage komme, hätten Treasuries bereits etwas an Fahrt verloren, denn die Rendite der 2-jährigen sei am Mittwochnachmittag um bis zu 25 Basispunkte gefallen. Ein methodischerer Weg zur geldpolitischen Neutralität werde nach Erachten der Experten wahrscheinlich zu einer geringeren Volatilität am vorderen Ende der Zinskurve führen als das, was die Anleger bei längeren Laufzeiten erwarten könnten.

Und wie in letzter Zeit üblich, sollten alle Anleger auf weitere Forward Guidance achten, um zu erfahren, wie die FED selbst die Inflationsentwicklung und andere Risiken für die wirtschaftliche Erholung einschätze. (05.05.2022/alc/a/a)