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FED wenig besorgt über Renditeanstieg - EZB wird nochmals expansiver


01.04.21 10:30
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die konjunkturellen Unterschiede zwischen einzelnen Regionen und Volkswirtschaften verstärkten sich in letzter Zeit, so die Experten von Swisscanto Invest.

Die Schwellenländer würden zwar nach wie vor ein höheres Wirtschaftswachstum als die Industriestaaten verzeichnen, der Vorsprung nehme allerdings ab. Zudem gehe die Schere zwischen den USA und Kontinentaleuropa weiter auseinander. Die Wachstumsaussichten hätten sich in den USA rasch aufgehellt, da einerseits das Impftempo hoch und andererseits die Fiskalpolitik äußerst expansiv sei.

In der Geldpolitik würden die wichtigsten Zentralbanken der Industrieländer keine Zweifel aufkommen lassen, dass sie noch für längere Zeit an ihrer ultraexpansiven Politik festhalten würden. In einzelnen Schwellenländern sei es dagegen zu ersten Leitzinserhöhungen gekommen, um den teilweise hohen Inflationsraten entgegenzuwirken. Die guten Konjunkturaussichten würden für höhere Renditen bei Anleihen sorgen. Gleichzeitig würden aber auch die Gewinnaussichten der Unternehmen deutlich nach oben revidiert. Das steigende Renditeniveau an den Anleihenmärkten erhöhe die Opportunitätskosten für Gold.

An den Anleihenmärkten habe sich der Renditeanstieg im vergangenen Monat vor allem in Nordamerika fortgesetzt. Die 10-jährige US-Rendite habe vorübergehend mit 1,73% den höchsten Stand seit Januar 2020 erreicht. Zwar hätten sich die Vertreter der US-Notenbank anlässlich der März-Sitzung bezüglich einer künftigen Leitzinsanhebung noch zurückgehalten. Die US-Währungshüter hätten sich über den deutlichen Renditeanstieg der vergangenen Monate insgesamt aber wenig besorgt gezeigt. Diese entspannte Haltung dürfte die FED auch beibehalten, solange keine übermäßige Straffung der finanziellen Bedingungen drohe. In Kanada dürften die Währungshüter im April eine Reduktion der Wertpapierkäufe ankündigen. Ohne Drosselung der Anleihenkäufe drohe die Bank of Canada (BoC) im nächsten Jahr die Schwelle von 50%-Marktanteil zu überschreiten. Wir erachten insgesamt das Potenzial für einen Renditeanstieg weiterhin in Nordamerika am größten, da die Notenbanken jenseits des Atlantiks den Renditeanstieg nicht unterbinden werden, so die Experten von Swisscanto Invest.

Im Gegensatz dazu habe die Europäische Notenbank (EZB) unmissverständlich klar gemacht, dass höhere Renditen in der Währungsunion unerwünscht seien. Die EZB werde daher das Tempo der Anleihenkäufe über die kommenden Wochen erhöhen. Die Renditen in der Eurozone und in der Schweiz hätten sich deshalb auch weitgehend einem weiteren Renditeanstieg entziehen können. Die Verzögerungen bei der Impfstoffverbreitung und die anhaltenden Lockdown-Maßnahmen würden gegen einen ausgeprägten Renditeanstieg in Kontinentaleuropa sprechen. Obschon die Kapitalmarktzinsen in Großbritannien wesentlich stärker gestiegen seien als in der Eurozone, würden die dortigen Währungshüter dieser Entwicklung bisher gelassen entgegenblicken. Im Gegensatz zur EZB werde die Bank of England (BoE) die Wertpapierkäufe im 2. Quartal deshalb nicht erhöhen, sondern in gleichem Tempo fortsetzen. Die BoE dürfte in der zweiten Jahreshälfte beginnen, die Käufe graduell zu reduzieren.

Generell würden die Experten von Swisscanto Invest an der Einschätzung festhalten, dass die Rahmenbedingungen der Aktienmärkte weiterhin für konjunktursensitive Sektoren, den Value-Stil und damit für die eher zyklischen Aktienregionen sprechen würden. Zwar habe sich vor allem in Europa der "Coronatunnel" nochmals verlängert. Die Experten von Swisscanto Invest würden aber nach wie vor davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Erholung im Anschluss kräftig ausfallen werde. Zudem hätten die beiden global wichtigsten Währungshüter FED und EZB klar gemacht, dass sie den aktuellen Anstieg der Inflationsraten als vorübergehend erachten und an der bisherigen Geldpolitik festhalten würden.

In den von uns betrachteten Aktienregionen gehen wir lediglich bei der Kanadischen Zentralbank davon aus, dass sie bald schon einen restriktiveren Kurs einschlagen wird, so die Experten von Swisscanto Invest. Die Experten würden deshalb in Nordamerika den US-Aktienmarkt bevorzugen. Was den pazifischen Raum anbelange, so habe in Australien die Wachstumsdynamik relativ zu den anderen Volkswirtschaften deutlich abgenommen. Die Experten von Swisscanto Invest würden deshalb den japanischen Markt bevorzugen. Hinzu komme, dass die japanischen Unternehmen etwas weniger abhängig vom chinesischen Markt, also international etwas diversifizierter seien.

Der breit gefasste Bloomberg Commodity Index sowie die Sektoren Industriemetalle und Energie hätten nach einem starken Preisanstieg zu Jahresbeginn Ende des 1. Quartals eine vorübergehende Verschnaufpause eingelegt. Durch Verzögerungen bei der Impfstoffverbreitung und Verlängerungen von Lockdown-Maßnahmen gegen COVID-19 hätten sich Nachfragesorgen am Rohstoffmarkt verbreitet. Die Einschränkungsmaßnahmen dürften jedoch im nächsten Quartal gelockert werden, sodass die Mobilität und auch die Nachfrage nach Rohstoffen weiter zunehmen würden. Zudem würden die global steigenden Fiskalausgaben den Rohstoffkonsum weiter anheizen. Trotz bereits hoher Schuldenstände der Staaten würden im Niedrigzinsumfeld vielerorts Investitionen in rohstoffintensive Infrastrukturprogramme getätigt. Auf der Angebotsseite hätten jahrelange Überkapazitäten in vielen Rohstoffsektoren zu Unterinvestitionen geführt, sodass bei vielen Rohstoffen ein Angebotsdefizit herrsche. Dieser Mix spreche auch in naher Zukunft für steigende Rohstoffpreise. (01.04.2021/alc/a/a)