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FED veröffentlicht Protokoll der Juni-Sitzung - EZB fängt den Markt wieder ein


09.07.18 10:35
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der letzten Woche waren es neben den politischen Themen (Koalitionsstreit innerhalb der deutschen Regierung, Handelsauseinandersetzung USA - China und Euroraum) vor allem die Notenbanken, die am Markt für Gesprächsstoff sorgten, so die Experten von Union Investment.

Die US-Notenbank FED habe am Donnerstag das Protokoll ihrer jüngsten Sitzung von Mitte Juni bekannt gegeben. Auch dort sei das Thema Handelsstreit - am vergangenen Freitag seien die Strafzölle der USA in Kraft getreten - ein zentraler Punkt gewesen. Die hiervon ausgehenden wirtschaftlichen Risiken sähen die Notenbanker als besorgniserregend an. Darüber hinaus sähen sich die Mitglieder der Notenbank hinsichtlich des Zinserhöhungspfades auf dem richtigen Weg. Die FED bleibe wohl auf Autopilot und werde dementsprechend weiter erhöhen. Allerdings könnte eine Signalisierung anstehen, die darauf hindeute, dass sich der laufende Zinsanhebungszyklus mittlerweile in einem fortgeschrittenen Stadium befinde. Bezüglich dieses Punktes könnte uns eine Änderungen in der Kommunikation der FED bevorstehen, so die Experten von Union Investment.

Weitere Ausführungen hätten die Entwicklung der US-Zinsstrukturkurve betroffen. Die zu beobachtende Verflachung über die kurzen Laufzeiten gelte in der Kapitalmarktlehre als Indikator für eine anstehende Rezession. Diesbezüglich erscheine die FED bislang kaum nervös. Diese werde dem Protokoll zufolge den Verlauf der Zinskurve aber weiter achtsam verfolgen. Ein weiterer Punkt habe die strategische Ausrichtung der Bilanzsumme der FED betroffen. Werde die Bilanzsumme weiterhin im bislang verfolgten Tempo reduziert und solle die Geldpolitik letztlich dauerhaft mit einer kleinen oder hohen Bilanzsumme betrieben werden? Hier kommt nun eine Grundsatzdiskussion in Gang, die uns wohl auf längere Zeit begleiten wird, so die Experten von Union Investment.

Neben der FED habe auch die Europäische Zentralbank (EZB) im Rampenlicht gestanden. Die Märkte hätten jüngst darauf spekuliert, dass die EZB erst gegen Ende 2019 die Zinserhöhung angehen werde. Teils hätten die Mutmaßungen der Marktteilnehmer bis Dezember 2019 gereicht. Die EZB selbst habe auf dem Anfang Juli im portugiesischen Sintra abgehaltenen Forum hierfür Munition geliefert. Mit der Aussage von EZB-Präsident Draghi, den Leitzins mindestens über den Sommer 2019 hinaus unverändert zu lassen, habe sich viel Raum für Spekulationen ergeben. Dies sei der EZB gar nicht recht gewesen. So sei im Verlauf der Woche seitens verschiedener EZB-Mitglieder der Zeitpunkt wieder etwas relativiert gewesen. Genauere Angaben habe die EZB angesichts der zu beachtenden Einflussfaktoren dabei vermieden. Angesichts der in den vergangenen Tagen abgegebenen Kommentare kristallisiere sich mittlerweile nunmehr wieder der Herbst 2019 für einen ersten Zinsschritt heraus.

Ein weiterer Punkt in Bezug auf die Zentralbank sei die Thematik Anleiheankäufe gewesen. Das Programm werde zwar Ende 2018 wie angekündigt eingestellt, die ab diesem Zeitpunkt anfallenden Erlöse aus den fälligen Anleiheklassen würden jedoch wieder angelegt. Mit der Frage, wo die Erlöse investiert würden, seien einige Dissonanzen aufgekommen. Die Deutsche Bundesbank habe hierbei auf sich aufmerksam gemacht und auf die bislang geltenden Kapitalschlüssel verwiesen. Denn zuletzt sei spekuliert worden, dass die EZB hiervon abweichend etwas freier in der Verwendung der Anlagemittel handeln könnte und etwa die Erlöse fälliger Staatsanleihen aus dem Euroraum in den Unternehmensanleihemarkt umleiten könnte. Das Thema werde weiterhin viel Stoff für Spekulationen bieten.

Die Auswirkungen auf den Anleihehandel seien auch in der Berichtswoche wieder eher überschaubar gewesen. Die Zinskurven sowohl in den USA als auch in Deutschland hätten, bis auf die ganz langen Bereiche, unverändert gelegen. Dort seien an beiden Märkten die Renditen um ein paar Basispunkte zurückgegangen. In der Peripherie sei es nach einer nur mäßig nachgefragten Neuemission spanischer Staatspapiere dann kurioserweise am italienischen Markt zu leicht steigenden Renditen respektive Spreadausweitungen gekommen. Aber auch dort sei der Handel in der Berichtswoche in vergleichsweise engen Bahnen verlaufen. (Ausgabe vom 06.07.2018) (09.07.2018/alc/a/a)