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FED und EZB steuern auf richtungweisende Entscheidungen zu


08.08.17 16:28
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Jens Wilhelm, Vorstand bei Union Investment, erwartet ein stabiles zweites Börsenhalbjahr.

"Anziehende Konjunktur, sinkende Politikrisiken, verbesserte Unternehmensgewinne - die Auftriebskräfte der vergangenen Monate wirken nach wie vor", zeige sich Wilhelm zufrieden.

Wesentliches Standbein der Kapitalmärkte bleibe das positive Konjunkturumfeld. Das globale Wachstum habe sich weiter synchronisiert. Alle wichtigen Wirtschaftsräume befänden sich gleichzeitig im Aufschwung. Besonders positiv sei die Lage in der Europäischen Währungsunion. Allerdings weise Wilhelm auch auf die generell moderate Dynamik hin: "Die Flughöhe beim Wachstum ist nach der Finanzkrise deutlich niedriger als früher."

Mit Blick auf die Geldpolitik steuern sowohl die US-Notenbank Federal Reserve (FED) als auch die Europäische Zentralbank (EZB) auf richtungweisende Entscheidungen zu. Die Mischung aus robustem Wachstum, festem Arbeitsmarkt und moderater Inflation ebne den Boden für weitere Zinserhöhungen in den USA. Auch das Thema Bilanzverkürzung werde laut Wilhelm verstärkt in den Fokus rücken. So weit sei man in Europa noch lange nicht. Dennoch stünden auch in Frankfurt die Zeichen auf Veränderung. Noch in diesem Jahr dürfte EZB-Chef Mario Draghi die Verringerung der monatlichen Anleihekäufe ankündigen, zum Jahreswechsel sollte dann die Umsetzung erfolgen. Am Leitzins werde die Notenbank aber erst einmal nicht rütteln.

Auf politischer Seite dürfte es hingegen ruhiger werden. Die Politiksorgen, die noch zum Jahresanfang im Fokus gestanden hätten, seien mit dem europafreundlichen Wahlausgang in den Niederlanden und Frankreich etwas gewichen. Auch die Brexit-Verhandlungen scheinen für den Moment keine Rolle zu spielen, so die Experten von Union Investment.

Für die Rentenmärkte berge dieses Umfeld eine Reihe von Herausforderungen. "Zumindest für einige Anleihesegmente wird es schwieriger - allen voran für die "sicheren Häfen", meine Wilhelm. Hier erwarte der Vorstand moderate Renditeanstiege - und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks. Aussichtsreiche Alternativen seien Anleihen mit Renditeaufschlag wie Unternehmens- oder Nachrangpapiere.

Aufwärtspotenzial sehe er vor allem bei Aktien. "Die Konjunkturbelebung treibt die Unternehmensgewinne und beflügelt damit auch die Kurse", sei Wilhelm überzeugt. Regional habe der Stratege einen eindeutigen Favoriten: "Europas Aktienmärkte ziehe ich klar den USA vor." Hier seien die Bewertungen noch günstiger, außerdem sei der Aufschwung noch nicht ganz so weit fortgeschritten wie in den USA.

Trotz vieler positiver Vorzeichen: "Eine Anlagestrategie ‚auf Autopilot‘ dürfte auch in diesem Umfeld nicht zum Erfolg führen", meine Wilhelm. "Luftlöcher sind an den Börsen immer möglich, genauso wie schnell wechselnde Bedingungen", so der Vorstand. "Anleger müssen bei ihren Investments noch aktiver und - mit Blick auf Anlageklassen und Einzeltitel - noch selektiver vorgehen", formuliere Wilhelm seine Grundsätze für die nächsten Monate. Besondere Chancen sehe er dabei aufseiten europäischer Aktien, Unternehmensanleihen mit Renditeaufschlag und Rohstoffen. (Ausgabe August 2017) (08.08.2017/alc/a/a)