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FED und EZB im Fokus


11.06.18 09:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Marktakteure richten den Fokus in der neuen Woche auf die Ratssitzungen der beiden wichtigsten Notenbanken, der FED und der EZB, so die Analysten der Helaba.

In den USA stünden die Zeichen auf Zinserhöhung. Dies sei hinreichend kommuniziert worden und marktseitig vollständig eskomptiert. Interessanter werde sein, inwiefern die Kommunikation der US-Notenbank Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Ausblick enthalte. Bisher habe die Mehrheit der FOMC-Mitglieder drei Zinserhöhungen im Verlauf des Jahres 2018 signalisiert. Zusammen mit dem Zinsschritt in dieser Woche seien zwei durchgeführt und für das gesamte zweite Halbjahr bliebe nur noch ein Schritt.

Derweil dürfte die wirtschaftliche Dynamik in den letzten Monaten zugenommen haben. So hätten die Stimmungsindikatoren in der Industrie und im Servicesektor auf hohem Niveau wieder zugelegt. Die Teuerungsrate sei zudem gestiegen und auch der Arbeitsmarkt zeige sich von seiner starken Seite. Eine Verlangsamung der Zinserhöhungen erscheine angesichts dessen nicht ratsam und so würden die Analysten insgesamt vier Zinserhöhungen in diesem Jahr für angemessen halten.

Der Geldmarkt-Future preise einen vierten Schritt aktuell etwa zur Hälfte ein, sodass Anpassungsbedarf bestehen könnte, wenn die FED entsprechende Signale gebe. Diese könnten selbstverständlich in der Wortwahl liegen, aber ebenso wichtig seien die aktualisierten "dot plots". Auf Sicht des Jahresendes könnte der Medianwert des als angemessen angesehenen Zinsniveaus von 2,13% auf 2,38% steigen. Zudem seien die Projektionen für 2019 und 2020 von hohem Interesse. Gründe für das Zurückfahren von Zinserwartungen würden die Analysten nicht sehen.

Die Europäische Zentralbank habe aktuell keinen akuten Handlungsbedarf, denn mehrheitlich hätten die wirtschaftlichen Datenveröffentlichungen enttäuschende Ergebnisse hervorgebracht. Die Kerninflation habe sich zwar erholt, liege aber weiterhin in der Nähe der 1%-Marke, während die wirtschaftliche Dynamik deutlich nachlasse. Auch die monetäre Entwicklung setze die Notenbanker nicht unter Zugzwang. Hinzu würden sich die politischen Unsicherheiten vor allem im Hinblick auf die neue italienische Regierung, den "Brexit" und die US-Handelspolitik gesellen. Zuletzt sei darauf spekuliert worden, dass die EZB dieser Tage das QE-Ende signalisieren würde, ausgemacht sei dies aber noch nicht.

Der Kalender werde in den nächsten Tagen von US-Datenveröffentlichungen dominiert. So stünden u.a. die Verbraucherpreise, die Einzelhandelsumsätze, die Industrieproduktion, der Empire-State-Index und das Michigan Sentiment an. Die solide Entwicklung der US-Wirtschaft dürfte insgesamt untermauert werden, auch wenn Einzelhandel und Produktion wohl nicht positiv überraschen würden. Das datenseitige Interesse richte sich hierzulande auf den ZEW-Saldo der Konjunkturerwartungen (morgen). Ein Rückgang müsse aufgrund des schwachen sentix-Wertes ins Kalkül gezogen werden. Auch die Industrieproduktion der Eurozone dürfte sinken, denn die Vorgaben aus Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden seien negativ gewesen. (11.06.2018/alc/a/a)