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FED sieht Abwärtsrisiken vermindert aber nicht gebannt


06.11.20 10:43
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Mitglieder des Offenmarktausschuss der Federal Reserve entschieden die Bandbreite der Federal Funds Rate unverändert zwischen 0 und 0,25% zu belassen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Weiterhin werde der Bestand an Treasuries und MBS, wie zuvor und bis auf weiteres, monatlich um zumindest USD 80 Mrd. bzw. USD 40 Mrd. ausgeweitet. Die Forward Guidance der Leitzinsen, welche im September eingeführt worden sei, sei bestätigt worden. Die Bandbreite der Federal Funds Rate bleibe unverändert zwischen 0 und 0,25%, bis am Arbeitsmarkt Vollbeschäftigung herrsche, die Inflationsrate 2% erreicht habe und ein moderates Überschießen des Inflationsziels in Aussicht stehe. Der Konjunkturverlauf stehe in Abhängigkeit des Pandemieverlaufs und die Federal Reserve stehe bereit den geldpolitischen Kurs entsprechend anzupassen sollten Risiken auftreten.

Zinsmärkte hätten nur geringfügig auf die Zinssitzung reagiert, sodass sich die Präsidentschaftswahl den Rang als bestimmendes Marktereignis sichere. Etwas mehr Bewegung habe sich am FX-Markt gezeigt. Der US-Dollar habe im Zuge der Zinssitzung gegenüber dem Euro abgewertet und sei von 1,180 Richtung 1,185 gestiegen, habe diese Marke jedoch schlussendlich nicht erreichen können und anschließend wieder etwas aufgewertet. In Summe könne die Zinssitzung nicht als richtungsweisendes Ereignis an den Finanzmärkten erachtet werden.

Nach den weitreichenden Änderungen im September, als die geldpolitische Neuausrichtung von Jackson Hole in das Statement eingearbeitet worden sei, sei die Erwartungshaltung gegenüber der November-Zinssitzung gedämpft gewesen. Inmitten der Stimmenzählung zur Präsidentschaftswahl seien die Mitglieder des Offenmarktausschusses wohl bedacht gewesen, für keine zusätzliche Unsicherheit zu sorgen. Präsident Powell habe sich vergleichsweise optimistisch hinsichtlich seiner Einschätzung zur Konjunktur gezeigt. Der wirtschaftliche Rebound habe sich als äußerst robust erwiesen und befürchtete Abwärtsrisiken hätten sich bislang nicht verwirklicht, wenn auch diese noch lange nicht gebannt seien.

Obwohl die Infektionszahlen auch in den USA laufend neue Höchststände erreichen würden und die Abhängigkeit des Konjunkturverlaufs vom Pandemieverlauf weiterhin im Statement zu finden sei, habe dieser Aspekt diesmal nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden. Auch die Notwendigkeit zusätzlicher fiskalischer Maßnahmen sei in vergangenen Zinssitzungen bereits klarer formuliert worden. Präsident Powell habe sich diesbezüglich sehr bedeckt gehalten und lediglich angemerkt, dass die Erholung durch weitere fiskalische Schritte beschleunigt werden würde.

Wohl am Entscheidendsten seien Powells Anmerkungen zu den Anleihekäufen gewesen. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses hätten insbesondere die Rolle der Anleihekäufen diskutiert und im Zuge dessen auch Möglichkeiten für Anpassungen. Genaueres werde man aber erst dem Sitzungsprotokoll entnehmen können. Klar sei, dass sich der Fokus der Anleihekäufe von der Marktpflege zur Konjunkturunterstützung wandele und dieses Instrument die erste Wahl wäre, sollte zusätzlicher geldpolitischer Stimulus als nötig erachtet werden. Powell betone jedoch, dass das gegenwärtige Ausmaß an Anleihekäufen von monatlich USD 120 Mrd. (80 Staatsanleihen + 40 MBS) sowie der bereits akkumulierten Summen derzeit substantiell zum lockeren geldpolitischen Kurs der FED beitrage. Weder eine Reduktion noch eine Aufstockung der monatlichen Anleihekäufe stehe nach Ansicht der Analysten unmittelbar bevor. (Ausgabe vom 05.11.2020) (06.11.2020/alc/a/a)