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FED mit ruhiger Hand


29.07.20 10:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Marktteilnehmer richten heute den Blick erneut in die USA, denn dort steht die Notenbankentscheidung an, so die Analysten der Helaba.

Bereits im Vorfeld hätten Marktakteure darauf spekuliert, dass es ein weiteres Signal für eine anhaltend lockere Geldpolitik geben würde. Auch deshalb stehe der US-Dollar unter Druck und gleichzeitig lege der Goldpreis deutlich zu und setze die Rekordjagd fort. Die Datenlage sei gemischt. So seien Unternehmensbarometer zuletzt zwar angestiegen und würden auf das Erholungspotenzial der Wirtschaft hinweisen und auch realwirtschaftliche Daten hätten nach den Tiefschlägen im Frühjahr wieder zulegen können. Allerdings sei die gesamtwirtschaftliche Tätigkeit noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt und vor allem der Arbeitsmarkt sei weiterhin in einer fragilen Verfassung.

Zudem gebe die Verbraucherstimmung wieder nach, auch weil die Sorgen vor den Folgen der zweiten COVID19-Welle groß seien. Die US-Notenbank werde daher deutlich machen, dass ihre ultralockere Geldpolitik auf absehbare Zeit Bestand haben werde. Dies sei jedoch nicht neu, denn FED-Chef Powell habe im Juni bereits angedeutet, dass die FED nicht gewillt sei, den Leitzins bis 2022 zu erhöhen.

Vor dem Hintergrund der gestiegenen Unternehmensbarometer würden die Analysten nicht davon ausgehen, dass die FED weitere Lockerungen beschließen werde. Wie auch andere Zentralbanken stehe die US-Notenbank vor der Frage, ob geldpolitisch noch Spielraum zur Stimulation bestehe oder ab nicht vielmehr die Fiskalpolitik einen noch größeren Beitrag zu liefern habe. In den USA laufe die Diskussion um ein weiteres Stimuluspaket. Die Republikaner hätten einen Entwurf über 1 Bio. USD vorgelegt. Die Demokraten hätten diesen als "erbärmlich" vor allem wohl deswegen bezeichnet, weil erhebliche Kürzungen der Arbeitslosenhilfe darin enthalten seien.

Datenseitig gebe es keine wesentlichen Impulse für das Marktgeschehen. Anders als in den USA, wo das Verbrauchervertrauen gestern nachgegeben habe, werde in Frankreich mit einer leichten Verbesserung gerechnet. Ob damit aber die Sorgen vor erneut steigenden Infektionszahlen überkompensiert würden, sei fraglich. Mit Spannung werde das Ende der Urlaubssaison erwartet. Komme es zu deutlichen Infektionsschüben und seien Lockdown- und Schutz-Maßnahmen dann wieder unumgänglich?

Verschiedene europäische Länder hätten zuletzt Maßnahmen ergriffen und so könnten weitergehende Beschlüsse nicht ausgeschlossen werden. Die Märkte würden daher in einer abwartenden Haltung bleiben. Insbesondere für die Rentenmärkte gebe es per saldo wohl keinen Gegenwind. Die anderen Marktsegmente würden derweil durch die laxe Geldpolitik der großen Notenbanken gestützt und trotz der täglichen Schwankungen seien die Bewertungen insgesamt als hoch zu bezeichnen. (29.07.2020/alc/a/a)