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FED priorisiert den Arbeitsmarkt


30.07.20 12:00
Legg Mason

Baltimore (www.anleihencheck.de) - Die offizielle Erklärung der US-Notenbank FED brachte nach ihrer Sitzung am Mittwoch wenig Neues zu Tage: Lediglich der Verweis, dass die weitere wirtschaftliche Entwicklung in den USA vom Verlauf des Virus abhängen werde, war wirklich neu, so John Bellows, Portfoliomanager und Research Analyst bei der Legg-Mason-Boutique Western Asset Management.

Trotzdem sollten Marktteilnehmer diese vordergründig ereignislose Sitzung nicht als Untätigkeit der FED interpretieren. Innerhalb der kommenden Wochen und Monate werde die Notenbank ihren geldpolitischen Kurs, der in dieser Form seit Anfang vergangenen Jahres anhalte, überprüfen. Wie Jerome Powell angekündigt habe, werde diese Prüfung "in naher Zukunft" zum Abschluss kommen. Dabei sehe alles danach aus, als würde der Arbeitsmarkt in Zukunft wieder eine wichtigere Rolle für die Notenbank spielen.

Während der Ausführungen zur Pandemie habe Powell betont, wie wichtig es sei, den Arbeitsmarkt im Blick zu haben und gleichzeitig Preissteigerungen zu kontrollieren. Diese Reihenfolge könnte für die weitere Notenbank-Politik prägend sein. Um dies umzusetzen, könnte sich die FED schon bald an einem durchschnittlichen Inflationsziel orientieren. Dieses würde ein kurzfristiges Überschreiten der Teuerungs-Marke von zwei Prozent erlauben und so mehr Spielraum bieten, um den darbenden Arbeitsmarkt zu stützen. Auch in Bezug auf andere Probleme, wie etwa die wachsende Einkommensungleichheit in den USA, könnte eine flexiblere Definition von Teuerung hilfreich sein.

Als nächsten Schritt dürfte die Notenbank weitere Maßnahmen in Form von Lockerungen und dem Kauf von Finanzinstrumenten ankündigen. Diese Schritte seien angesichts des geringen Spielraums der Notenbank naheliegend. Powell habe zuletzt betont, dass der Kauf von Vermögenswerten den Finanzmarkt stütze und dass die FED diesen Weg auch weiter gehen würde, sofern das nötig sei. Angesichts der vielfältigen Aufgaben und der komplexen Problemstellung dürfte die FED gezwungen sein, ihr Handeln sehr langfristig und auf Sicht von Jahren zu planen. Auch aus diesem Grund habe das jüngste Treffen vordergründig für wenige Überraschungen gesorgt. Langfristig dürfte es aber richtungsweisend sein. (30.07.2020/alc/a/a)