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FED liefert Tapering


05.11.21 08:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die deutschen Staatsanleiherenditen konnten sich in der ablaufenden Woche nicht im einstelligen Bereich halten, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

So seien die zehnjährigen Bund-Renditen von Anfang der Woche um 9 BP auf -18 BP gefallen. Die entsprechenden T-Notes-Renditen hätten sich hingegen per Saldo kaum bewegt, auch wenn die FED-Sitzung am 03.11. für eine gewisse Volatilität gesorgt habe. Begleitet worden sei diese Entwicklung von neuen Rekordständen an den US-Aktienmärkten, was die Interpretation dessen, was an den Märkten passiere, erschwere. Natürlich sei es positiv für Aktien, wenn die Renditen niedrig bleiben würden. Aber zu der hohen Risikofreude, die aus den Aktienbewegungen abzuleiten sei, passe es nicht, dass die Anleger an den Staatsanleihen festhalten würden oder diese - wie bei den Bunds - sogar noch verstärkt kaufen würden. Möglicherweise sei man der Meinung, dass die Liquidität, die die US-Notenbank trotz Taperings weiter in die Märkte pumpen werde, immer noch ausreichend sei, um alle Assetklassen zu stützen.

Bei der vorgestrigen FED-Sitzung sei entschieden worden, dass die Anleiheankäufe von derzeit 120 Mrd. US-Dollar monatlich um 15 Mrd. US-Dollar reduziert würden. Zur Mitte des nächsten Jahres werde dann das Tapering beendet sein. Die FED habe allerdings klar signalisiert, dass sie den Plan nach oben oder unten anpassen werde, wenn sich die konjunkturelle Lage unerwartet verändere.

Da das Tapering bereits erwartet worden sei, stelle sich jetzt die Frage, wann die erste Zinserhöhung komme. Gemäß der so genannten Forward Guidance geschehe dies, wenn die FED der Überzeugung sei, dass maximale Beschäftigung erreicht worden sei. Notenbankpräsident Jerome Powell habe gesagt, dass diese Bedingung jetzt noch nicht erfüllt sei. Viele Menschen blieben dem Arbeitsmarkt noch fern, etwa weil Corona-bedingt weiterhin Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder fehlten oder Sorge vor einer Ansteckung herrsche. Powell habe aber auch gesagt, dass er zuversichtlich sei, dass in der zweiten Jahreshälfte die maximale Beschäftigung erreicht werde. Dies sei gleich bedeutend mit der Aussage, dass die FED dann auch den Leitzins anheben werde. Die Märkte würden zwei bis drei Zinsschritte im kommenden Jahr einpreisen.

Ein andere Frage sei, wie die FED reagiere, wenn die Inflation weiter steige, das Ziel der maximalen Beschäftigung aber nicht erreicht werde. Unsere Interpretation ist, dass man in diesem Fall dennoch gegensteuern würde, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Denn Powell habe mehrmals betont, dass die Inflation für viele Familien, die von einer Lohnzahlung zur nächsten leben würden, ein großes Problem darstelle. Das heiße, die FED wäge die Kosten der Inflation (reale Einkommensverluste) gegen die Kosten der Arbeitslosigkeit ab.

Powell halte im Übrigen an der These fest, dass die Inflation im kommenden Jahr sinken werde, das sie also transitorisch sei, aber die FED habe das Wording hier etwas geändert und betont, dass diese Prognose mit größerer Unsicherheit als bisher behaftet sei.

Beim Ausblick auf die kommenden Tage sei auf den nächsten Zins-Zahlungstermin des ausfallgefährdeten chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande am 06.11. zu achten. Außerdem finde in China vom 08.11. bis 11.11. das 19. Central Committee of the Communist Party in Peking statt. Hier würden üblicherweise die politischen und wirtschaftspolitischen Leitplanken für die nächsten Jahre definiert. Unter anderem sollte man darauf achten, inwieweit die Taiwan-Problematik dieses Mal stärker thematisiert werde als sonst üblich.

In Deutschland werde nächste Woche das Gutachten des Sachverständigenrats für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung veröffentlicht, das neben neuen Prognosen für das BIP Deutschlands auch einige Ratschläge für die neue Bundesregierung bereithalten werde (10.11.). Darüber hinaus gehe die Klimakonferenz in Glasgow weiter und habe möglicherweise Einfluss auf die Ölpreise.

In Deutschland würden sich die Koalitionsverhandlungen fortsetzen. Hier würden am 10.11. die Ergebnisse der Arbeitsgruppen erwartet, wovon möglicherweise etwas nach außen dringe.

Datenseitig sei auf den Arbeitsmarktbericht aus den USA zu achten (05.11.). Die ADP-Statistik weise auf einen robusten Beschäftigungszuwachs von 400.000 bis 500.000 Personen hin, nachdem der ISM-Index für den Dienstleistungssektor im Oktober von einem hohen Niveau aus einen kräftigen Sprung nach oben gemacht habe. Nächste Woche sei außerdem auf Inflationsdaten aus den USA und Deutschland (10.11.) zu achten. Ein Augenmerk sollte man auch auf die Industrieproduktion Chinas (15.11.) und der Eurozone (12.11.) haben. (Ausgabe vom 04.11.2021) (05.11.2021/alc/a/a)