Erweiterte Funktionen

FED kann das nicht ernst meinen


12.05.22 09:00
iM Global Partner

Paris (www.anleihencheck.de) - Zwar hat die FED gestern die Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte angehoben, dennoch gab sich FED-Chef Jerome Powell milder als erwartet und verkündete, man ziehe einen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte nicht in Betracht, so Mike Contopoulos, Director Fixed Income bei Richard Bernstein Advisors, Partner im Netzwerk von iM Global Partner.

"Die FED übt sich in Realitätsverweigerung", habe Mike Contopoulos gesagt. "Ich denke, dass es noch viele weitere Anhebungen um 50 Basispunkte geben wird - so betrachtet ist es fast egal, ob es nun 75 Basispunkte werden oder nicht." Die Menschen und möglicherweise auch die FED würden übersehen: Wenn die FED die Inflation eindämmen wolle, müsse sie die Nachfrage und den Konsum bremsen. Und dafür müsse der endgültige Zinssatz deutlich höher werden als der Aktienmarkt, der Zinsmarkt und die FED erwarten würden. Dieser Zinserhöhungszyklus werde noch eine ganze Weile dauern - und man werde sehr viel höhere Zinssätze sehen.

Die vier Hauptfaktoren für die Renditen von Staatsanleihen seien die Inflation, das Wirtschaftswachstum, der Umfang der FED-Bilanz und der Leitzins, und alle vier würden darauf hindeuten, dass die Zinssätze deutlich steigen könnten. Die FED habe die Zinsen gerade um 50 Basispunkte angehoben, ihre Bilanz schrumpfe, alle würden wissen, wie hoch die Inflation sei, und das Wirtschaftswachstum sei immer noch ziemlich solide. Führende Wirtschaftsindikatoren, das nominale BIP - sie alle würden für ein höheres Zinsumfeld sprechen. 3 Prozent halte Mike Contopoulos für sehr plausibel und glaube, dass es von hier aus noch deutlich höher werden könne.

Um die Inflation einzudämmen, werde die FED die Nachfrage senken müssen. Und es sei fast lächerlich, dass sie glaube, dabei die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordtief halten zu können. "Ich weiß nicht, wie sie das ernsthaft behaupten können und damit durchkommen. Für mich deutet das darauf hin, dass sie das Ausmaß des Problems noch immer nicht ganz erkannt haben", so Mike Contopoulos. (12.05.2022/alc/a/a)