FED hebt Leitzins an - Bank of England unverändert


19.06.17 10:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank FED hat zur Wochenmitte ein weiteres Mal den Leitzins angehoben, so die Experten von Union Investment.

Im vierten Schritt seit der Finanzkrise sei die FED Funds-Rate um 25 Basispunkte auf nunmehr - je nach Bonität des Kontrahenten - 1,0 bis 1,25 Prozent erhöht worden. Der Zinsschritt, der am Markt erwartet worden sei, sei im FOMC mit nur einer Gegenstimme verabschiedet worden. Zur Begründung habe die FED auf die solide Entwicklung am US-Arbeitsmarkt verwiesen. Zudem sei die gesamtwirtschaftliche Projektion für das laufende Jahr leicht angehoben worden. FED-Chefin Janet Yellen habe kommuniziert, dass aus Sicht der FED weitere stetige Zinsanhebungen unter Abwägung unterschiedlicher Risiken sinnvoll seien. Die Inflationsentwicklung, die derzeit unter der von der FED gesteckten Zielmarke von 2 Prozent liege, wolle die Notenbank aufmerksam beobachten.

Ein weiteres Thema, von dem sich die Marktteilnehmer neue Aufschlüsse erhofft hätten, sei die Reduzierung der FED-Bilanz gewesen. Dabei sei bekannt geworden, dass die US-Notenbank noch in diesem Jahr fällige Wertpapiere (US-Treasuries und verbriefte Hypothekenpapiere) im Gegenwert von 10 Milliarden US-Dollar nicht mehr reinvestieren werde. In den folgenden Quartalen werde auf weitere Reinvestments in dieser Größenordnung verzichtet werden, bis eine Reduktion im Gesamtvolumen von 50 Milliarden US-Dollar erreicht sein werde. Für ein langfristiges Volumen der FED-Bilanz gebe es derzeit allerdings noch keine klaren Vorgaben. Die FED habe zu verstehen gegeben, dass die Änderung ihrer Bilanzpolitik nicht als aktives Instrument der Geldpolitik zu betrachten sei. Die Verminderung der auf mittlerweile 4,5 Billionen US-Dollar aufgelaufenen Bilanz solle vielmehr automatisch im Hintergrund ablaufen.

In Anbetracht der als restriktiv einzuordnenden Erklärung der US-Notenbank rechnen die Experten von Union Investment mit weiteren Leitzinsanhebungen und dem Beginn einer nunmehr geänderten Reinvestitionspolitik. Die nächste Leitzinserhöhung dürfte im kommenden September erfolgen.

Die Bank of England (BoE) habe unterdessen am Leitzins von 0,25 Prozent unverändert festgehalten. Das Votum sei mit 5 zu drei Stimmen jedoch etwa knapper ausgefallen. Das Anleiheankaufprogramm der BoE werde unvermindert beibehalten. Auch habe die Schweizer Nationalbank keinen Anlass gesehen, am negativen Leitzins herumzuschrauben. Dieser sei mit minus 0,75 Prozent für Sichteinlagen unverändert geblieben.

Die Marktreaktion auf die Notenbanken sei insgesamt verhalten gewesen. Nach einem zunächst freundlichen Wochenauftakt hätten die Rentenmärkte aufgrund der als eher restriktiv einzuordnenden Statements zuletzt etwas schwächer tendiert. Zehnjährige US-Treasuries hätten zwischen 2,1 und 2,2 Prozent geschwankt. Die US-Zinskurve habe sich aber letztlich kaum verändert gezeigt. Britische Gilts hätten sich zunächst mit nur noch 92 Basispunkten verzinst, seien aber dann wieder über die Ein-Prozentmarke geklettert. Im Euroraum hätten Bundesanleihen leichte Verluste erlitten. Die deutsche Zinskurve habe aufgrund von Renditesteigerungen in den kurzen Laufzeiten (vor allem zwei und drei Jahre) etwas flacher tendiert. Erfreulich sei hingegen die Entwicklung in Italien gewesen. Dort sei die Zwei-Prozentmarke im Zehnjahresbereich unterschritten worden. Die Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Neuwahlen habe sich dort zuletzt wieder verringert. (Ausgabe vom 16.06.2017) (19.06.2017/alc/a/a)