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FED erhöht das Tempo (beim Tightening) und bremst doch (die Erwartungen)!


05.05.22 11:35
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat die Federal Reserve gestern Abend im Anschluss an die FOMC-Sitzung die FED Funds Target Rate um 50 Basispunkte auf 1,00% angehoben, so die Analysten der NORD LB.

Diese stärkste Anhebung seit nun exakt 22 Jahren sei vorbereitet worden und stelle für die Finanzmärkte keine Überraschung dar. Denn die Inflationsrate bei mittlerweile 8,5% und eine Arbeitslosenquote bei 3,6% würden diese Maßnahme erfordern. Da es diesmal keine Aktualisierungen der Projektionen (und somit der Dot Plots) gegeben habe, habe sich der Fokus allein auf das FOMC-Statement und die Aussagen von Jerome Powell gerichtet.

Dem Statement sei kaum Überraschendes zu entnehmen gewesen: Als Quelle neuer Inflationsgefahren seien zusätzlich zum Krieg Russlands noch die Lockdowns in China aufgeführt worden. Die forward guidance mit "weitere Zinsanhebungen sind sehr angemessen" sei beibehalten worden. Zudem sei angekündigt worden, den Wertpapierbestand zu reduzieren: Das Quantitative Tightening (QT) starte ab Juni zunächst "passiv" mit der Verringerung der (maximalen) Reinvestitionen auslaufender Wertpapiere ausgehend monatlich von USD 47,5 Mrd. steigend bis USD 95 Mrd. in drei Monaten. Die Zeit für "aktive" Wertpapierverkäufe sei noch nicht gekommen. Die Entscheidung sei einstimmig gewesen.

Während das Statement mit einem erhöhten Zinsanhebungstempo und dem Beginn von QT demnach zwei hawkishe Elemente enthalten habe, habe der leicht dovish auftretende Notenbankchef in der Pressekonferenz ein wenig die Zinsaussichten gebremst. So habe Jerome Powell betont, dass zwar auf den nächsten beiden Zinssitzungen 50er-Schritte auf dem Tisch lägen, das FOMC aber keine Zinsanhebungen um 75 Basispunkte "aktiv in Erwägung ziehen" werde. Seine Anmerkung, die Inflation sollte (trotz aller Unsicherheit) nun ihren Hochpunkt erreicht haben, könnte nach Erachten der Analysten der NORD LB eine wieder langsamere Vorgehensweise andeuten - also nur noch 25er-Schritte ab dem Sommer.

Mit Putins Krieg in der Ukraine habe sich die Lage auch für die Federal Reserve etwas verkompliziert: Auf der einen Seite werde damit auch in den USA die Inflation über die Energiepreise und die Verschärfung der Lieferkettenprobleme nochmals länger hoch bleiben. Auf der anderen Seite könnten sowohl die höhere Preisbelastung als auch die Verunsicherung unter Unternehmen und Haushalten die Wirtschaft bremsen. Die USA stehe zwar als Öl- und Gasproduzent, mit derzeit robust erscheinender Konjunktur und fernab der Kampfhandlungen besser da als Europa - Auswirkungen könnten aber dennoch überschwappen. Insofern sollten potenzielle Verschärfungen in der Geopolitik - als auch weiterhin der Pandemie - für die FED in den kommenden Monaten bedeutsam sein.

So sei es nach Erachten der Analysten der NORD LB auch nicht sicher, dass es zu allen derzeit vom Markt eingepreisten Zinsanhebungen bis Ende 2023 kommen werde. Die Gefahr einer inversen Zinsstrukturkurve stiege dann jedenfalls - und diese möchte die FED vermeiden. Uns schienen die Zweitrundeneffekte von Inflation und Zinsanhebungen auf die Konjunktur ausgeblendet zu werden. Ein gestern in die Wege geleitetes Quantitative Tightening - statt zu vieler Zinsschritte - könnte sich als bessere Alternative erweisen. Dies gelte umso mehr, wenn die Inflation - basisbedingt - von über 8% zurückgehen sollte!

Fazit: Auf der gestrigen FOMC-Sitzung habe die Federal Reserve angesichts der hohen Inflationsrate und eines robusten Arbeitsmarktes die erwartete zweite Zinsanhebung diesmal stärker um 50 Bp auf nun 1,00% verkündet. Weitere Hikes seien im Verlauf des Jahres geplant. Das Quantitative Tightening (QT) starte ab Juni zunächst "passiv" mit der Verringerung der Reinvestitionen auslaufender Wertpapiere ausgehend monatlich von USD 47,5 Mrd. steigend bis USD 95 Mrd. in drei Monaten. Während das Statement demnach zwei hawkishe Elemente enthalten habe, habe Jerome Powell die Zinsaussichten mit den Hinweisen gebremst, keine Zinsanhebungen um 75 Basispunkte "aktiv in Erwägung" ziehen zu wollen und die Inflation könnte nun ihren Hochpunkt erreicht haben. Nach Erachten der Analysten der NORD LB deute dies auf eine langsamere Vorgehensweise der FED hin - also 25er-Schritte - ab dem Sommer. Doch derzeit laute die vom "Doktor" Powell diagnostizierte "Krankheit" Inflation und nicht Konjunktur, was zunächst den Einsatz des "Medikaments" Zinsanhebungen erforderlich mache. Mit Nebenwirkungen müsse aber - wie auf jeden Beipackzettel ersichtlich - gerechnet werden! (05.05.2022/alc/a/a)