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FED bleibt unter Handlungsdruck


02.05.22 10:31
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die US-Ökonomie stößt beim Wachstum langsam aber sicher an ihre Grenzen, so Tobias Basse und Bernd Krampen von der NORD/LB.

Die noch vorläufigen BIP-Zahlen würden nach der Stärke zum Abschluss des Jahres 2021 für das 1. Quartal 2022 mit einer annualisierten Veränderungsrate von -1,4% sehr klare Abkühlungstendenzen zeigen. Noch sollte man sich aber keine zu großen Sorgen bezüglich der Nachfrage in den USA machen. So seien die Einzelhandelsumsätze im März um immerhin 0,5% M/M angestiegen. Zudem sei es zu einer Aufwärtsrevision der für den Vormonat gemeldeten Daten gekommen. Auch wenn die hohen Benzinpreise diese Zeitreihe momentan regelrecht aufblähen würden, könne in der Summe wohl von einer leicht positiven Überraschung gesprochen werden. Die weiterhin hervorragende Beschäftigungssituation helfe den US-Konsumenten derzeit zweifellos. So sei die Arbeitslosenquote im März auf nur noch 3,6% gefallen. Die Inflation und das steigende Zinsniveau würden aber immer mehr zu einem relevanten Belastungsfaktor. Zudem sei festzuhalten, dass noch kein Störfeuer von den Aktienkursen und Immobilienpreisen komme. Dies könnte sich aber perspektivisch ändern! Auch an dieser Stelle sollte das Renditeniveau noch eine Rolle spielen - die US-Hypothekenzinsen im Laufzeitbereich 30 Jahre würden inzwischen nämlich bereits oberhalb von 5% notieren.

Die Inflationsentwicklung in Nordamerika bleibe ein zentrales politisches Thema und habe offenbar einen großen Einfluss auf die Kongresswahlen. Die Regierung erwarte von der FED, dass zügig Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation ergriffen würden. Diese Aufgabe sei Jerome Powell von Joe Biden jüngst ins Pflichtenheft geschrieben worden.

Daher habe die Notenbank in Washington auch begonnen, im Rahmen ihrer Kommunikationsstrategie eine klaren Schwenk vorzunehmen. Hochrangige Notenbanker würden sich momentan regelrecht mit der Ankündigung von zukünftigen Anhebungen der FED Funds Target Rate überbieten. Die Analysten der NORD/LB seien bisher zwar skeptisch gewesen, man werde nun aber zunächst doch einen Zinsschritt um +50 Bp wagen wollen, um nicht die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Klar sei aber auch, dass die aktuell von den FED-Offiziellen avisierten Anpassungen der US-Leitzinsen die Konjunktur in Nordamerika nachhaltig belasten würden. Dies sei nicht im Interesse der Notenbank. Daher werde man perspektivisch - also vor allem nach der Wahl - vorsichtiger vorgehen wollen, als momentan noch verkündet werde. In der Tat scheinen zumindest einige US-Notenbanker zu hoffen, spätere konkrete geldpolitische Maßnahmen bereits durch die heutige Ankündigung von zukünftigen Zinsschritten substituieren zu können, so die Analysten der NORD/LB.

Zudem müsse auch ein gewisser Spielraum für aktive Wertpapierverkäufen zur Verringerung des Umfangs des Bilanzvolumens der FED gelassen werden. Die Analysten der NORD/LB würden weiterhin denken, dass in 2022 Leitzinsanhebungen von circa 50 Bp durch diese Maßnahme ersetzt werden sollten.

In diesem Umfeld neige die Währung der Vereinigten Staaten zu einer fast schon bemerkenswerten Stärke. Der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar preise aktuelle eine fast schon mutige Neuausrichtung der US-Geldpolitik ein. Auch die Ukraine-Krise spiele an dieser Stelle eine Rolle. Die Marktteilnehmer im FX-Segment sehen im Moment größere ökonomische Belastungen für Europa voraus und scheinen auch daher zu glauben, dass die EZB relativ zur FED viel weniger Raum für eine Neuausrichtung der Geldpolitik haben wird, so die Analysten der NORD/LB. (Ausgabe Mai 2022) (02.05.2022/alc/a/a)