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FED bleibt auf Kurs - Bank of England mit Zinserhöhung


06.11.17 08:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der letzten Woche standen die Sitzungen der US-Notenbank FED sowie der Bank of England (BoE) im Blickpunkt der Märkte, so die Experten von Union Investment.

Zunächst habe die FED getagt, allerdings nur wenig Überraschendes kommuniziert. An der Zinsschraube sei nicht gedreht worden, der Leitzinskorridor bleibe zunächst unverändert bei 1,0 bis 1,25 Prozent. Der FED-Ausschuss (FOMC) habe allerdings durchblicken lassen, dass eine zusehends optimistischere Einschätzung der Konjunkturlage vorherrsche. Die Wirtschaft wachse solide, die FED gehe von einer Fortsetzung der positiven Entwicklung aus, zumal die Risiken als ausgeglichen gelten würden. Damit dürfte die für Dezember erwartete Zinserhöhung nun immer wahrscheinlicher werden. Die FED habe zudem mitgeteilt, dass die wirtschaftliche Entwicklung eine graduelle Anhebung des Leitzinses durchaus rechtfertigen würde. Bei der Inflationsentwicklung sähen die US-Notenbanker derzeit keine rasche Änderung. Diese dürfte vorerst nicht nennenswert über den selbstgesteckten Zielwert von 2 Prozent steigen.

Zudem habe sich die Neubesetzung des FED-Vorsitzes konkretisiert. US-Präsident Trump wolle den Zentralbanker Jerome Powell zum kommenden Vorsitzenden der Federal Reserve und damit zum Nachfolger von Janet Yellen machen. Im Rahmen seiner bisherigen Tätigkeit innerhalb des FED-Direktoriums dürfte Powell für Kontinuität in der US-amerikanischen Geldpolitik stehen.

Am US-Rentenmarkt seien zehnjährige US-Schatzanweisungen leicht angestiegen. Die Rendite sei bis Freitagvormittag und damit vor den wichtigen Arbeitsmarktdaten um 5 Basispunkte auf 2,35 Prozent gefallen. Die US-Zinskurve habe insgesamt etwas flacher tendiert, vor allem über den Renditerückgang 30-jähriger Papiere.

Die BoE habe am Donnerstag mit sieben zu zwei Stimmen die erste Leitzinserhöhung (um 0,25 auf 0,5 Prozent) seit Mitte 2007 vorgenommen. Dies habe der Markterwartung entsprochen, ein Zinserhöhungsautomatismus dürfte aber mitnichten eingeläutet sein. Die Maßnahme sei wohl in erster Linie dem jüngsten Inflationsanstieg geschuldet gewesen. Der unsichere wirtschaftliche Ausblick vor dem Hintergrund des Brexit spreche eher für ein künftig umsichtiges Vorgehen der BoE. Zehnjährige britische Staatsanleihen (Gilts) hätten freundlich notiert und 10 Renditestellen auf 1,25 Prozent verloren.

Am europäischen Staatsanleihemarkt habe sich noch im Nachgang der EZB aus der vorhergehenden Woche eine freundliche Tendenz gezeigt. Der Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereign) habe bis Freitagmittag um 0,5 Prozent zugelegt. Die Entwicklung sei vor allem auf die Peripheriemärkte zurückzuführen gewesen, dort seien die Renditen merklich gefallen. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe ab Laufzeiten von zehn Jahren an etwas flacher tendiert.

Für Schlagzeilen habe zum Wochenschluss noch Venezuela gesorgt, das eine Restrukturierung seiner Auslandsschulden anstrebe. Die Anleihen seien in einer ersten Reaktion auf 25 bis 30 Prozent des Nominalwertes gefallen und seien damit auf Ausfallniveau gehandelt worden. Nach ersten Erkenntnissen würden wohl vorerst die Zinszahlungen ausgesetzt, Tilgungen hingegen vorgenommen. Ziel dürfte es sein, erst einmal Zeit für die Umstrukturierung zu gewinnen. Ansteckungseffekte auf andere Schwellenländer seien aber bislang ausgeblieben. In der vergangenen Woche sei sogar wieder eine Milliarde US-Dollar in EM-Anlagen geflossen. (Ausgabe vom 03.11.2017) (06.11.2017/alc/a/a)