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Die FED betreibt Windowdressing


08.11.19 09:15
Quant.Capital Management

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die Märkte verwöhnen die Anleger. In den vergangenen Monaten entwickelten sich die Kurse von Aktien, Anleihen und sogar Edelmetallen gleichermaßen positiv, so die Experten von Quant.Capital Management.

"Die Marktteilnehmer scheinen alle eine Wette einzugehen: Kaufe alles, es wird schon gut gehen", sage Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der Quant.Capital Management GmbH. Doch das könnte sich rächen.

"Wir erleben derzeit wieder eine Rückkehr zu Märkten, wie wir sie 2017 erlebt haben", sage Mlinaric. Auch damals seien die Anlageklassen parallel gestiegen - bis es 2018 zum Einbruch gekommen sei. "Interessant ist, dass durch die Einflussnahme vor allem der Notenbanken die messbaren Marktrisiken deutlich sinken", so Mlinaric. Derzeit befänden sich die Anleger aber allesamt im Kaufrausch und würden Risiken ausblenden.

Denn zu 2017 gebe es einige wesentliche Unterschiede in den Rahmenbedingungen. "Während die Konjunktur 2017 noch mit Volldampf vorausfuhr, sehen wir aktuell deutliche Bremsspuren", sage Mlinaric. Zugleich liege das Zinsniveau in den wichtigsten Währungsgebieten heute deutlich niedriger als noch 2017. "Die Geldpolitik hat ihre Mittel bereits stark ausgereizt", so Mlinaric. So habe etwa Robert Holzmann, Gouverneur der österreichischen Nationalbank, der Geldpolitik das Ende ihrer Wirksamkeit bezüglich positiver Impulse für Volkswirtschaft und Inflation bescheinigt.

Trotzdem nähmen die Notenbanken Einfluss, wenn auch nicht auf die Konjunktur, sondern auf die Kennzahlen: Mitte September sei die US-Zinskurve noch invers gewesen, für viele Kommentatoren das deutlichste Zeichen einer kommenden Rezession. Um diese Situation zu entschärfen, habe die FED zunächst ab Mitte September mehr als 200 Milliarden US-Dollar über Repo-Geschäfte in das Banksystem gepumpt. Mitte Oktober sei sie dazu übergegangen, bis zu 60 Milliarden US-Dollar pro Monat an Liquidität über den Aufkauf kurzlaufender Staatsanleihen in die Märkte zu drücken. "Vergleicht man die US-Zinskurven vom 16. September und von heute, sieht man, wie die FED die US-Zinskurve gedreht hat", analysiere Mlinaric. Der Spread zwischen drei Monaten und zehn Jahren Laufzeit sei von -15 auf +33 Basispunkte gestiegen. Es sei gut zu erkennen, wie sich das kurze Ende verschoben habe, während die langfristigen Renditen nach einiger Volatilität wieder dort seien, wo sie auch damals schon gestanden hätten. Immerhin sehe die Zinskurve für den flüchtigen Betrachter wieder steil aus. "Keine Inversion heißt deutlich reduziertes Rezessionsrisiko, zumindest auf dem Papier", sage Mlinaric. Ein Windowdressing der FED also.

"Bedrohlich wirkt dabei die Erkenntnis, dass anscheinend nicht einmal der Geldmarkt in den USA ohne Intervention der Fed funktionsfähig ist", sage Mlinaric. "Das ist ein außerordentlich kritisches Indiz für den aktuellen Zustand der Kapitalmärkte." Umso mehr, weil es die Parallelität der Anlageklassen nicht aufhebe, sondern verstärke. "Wo alle Assets gleichzeitig steigen, da können auch alle Assets gleichzeitig fallen. Einen Vorgeschmack darauf konnten wir Ende 2018 erleben", so Mlinaric. "Sollte sich dies wiederholen, werden die Auswirkungen noch gravierender sein." (08.11.2019/alc/a/a)