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FED beginnt mit der Bilanzreduzierung


06.10.17 11:48
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Immer wieder hört man Kritik an der Wachstumsrate des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP), das im eigenen historischen Vergleich nicht stark genug wächst, so Sören Wiedau von der Weberbank.

Das erwartete BIP-Wachstum von rund 2 Prozent für das Jahr 2017 sei den Marktteilnehmern scheinbar nicht genug, auch nicht dem aktuellen Präsidenten Donald Trump. Dieser habe unlängst eine "legendäre" Steuerreform angekündigt, die sowohl die Unternehmen als auch die Mittelschicht deutlich entlasten solle.

Der Steuersatz für Unternehmen solle von 35 Prozent auf 20 Prozent gesenkt werden. Neben der Senkung des Spitzensteuersatzes sehe der Entwurf auch die Abschaffung der Erbschaftssteuer vor. Zusätzlich sollten die steuerlichen Freibeträge erhöht werden und auf Bundesebene lediglich nur noch drei anstatt sieben Einkommensteuerstufen gelten. Wie die steuerlichen Entlastungen von 2 bis 3 Billionen US-Dollar über zehn Jahre finanziert werden sollten, bleibe allerdings offen. Allgemein werde erwartet, dass die Steuersenkungen das Wirtschaftswachstum erhöhen und damit dem Staat höhere Einnahmen zufließen würden. Ob das Wirtschaftswachstum alleine dafür ausreicht, ist aus Sicht der Analysten der Weberbank fraglich. Insgesamt lasse der Steuerentwurf viele Einzelfragen offen. Was letztendlich von den Steuerplänen umgesetzt werden könne, sei ungewiss.

Positive Reaktionen auf die geplante Steuerreform seien deutlich am Devisenmarkt zu spüren gewesen, sodass der US-Dollar gegenüber dem Euro wieder aufgewertet habe und derzeit um die 1,1750 EUR/USD notiere. Getrieben gewesen sei diese Bewegung sicherlich auch durch die bereits im September erfolgte Andeutung einer weiteren Zinserhöhung in den USA im Dezember und die jüngst erfreulich ausgefallenen Konjunkturdaten. So hätten die viel beachteten Einkaufsmanagerindices, die Auftragseingänge für langlebige Güter sowie die Erstanträge für Arbeitslosenunterstützung positiv überraschen können. Die Daten würden belegen, dass die amerikanische Wirtschaft auf einem soliden Wachstumskurs liege. Zwar könnten die Schäden der Wirbelstürme in Amerika die Wirtschaft temporär beeinträchtigen. Mittelfristig jedoch sollte die Konjunktur von den umfangreichen Aufbauarbeiten profitieren können. Die Analysten der Weberbank bleiben für die US-Wirtschaft zuversichtlich gestimmt.

Wie bereits im September angekündigt, werde die amerikanische Notenbank (FED) die Reduzierung ihrer Bilanz ab Oktober beginnen. Welche Bilanzgröße die Notenbank letztlich ansteuere, habe sie weiterhin offen gelassen. Yellen habe unlängst davor gewarnt, die Zinswende zu langsam zu vollziehen. Sie sehe trotz des verpassten Inflationsziels kein Problem darin, die Zinsen noch in diesem Jahr erneut zu erhöhen. Die Marktteilnehmer würden von einer Leitzinserhöhung von 25 Basispunkten im Dezember ausgehen.

Aus Europa höre man von Herrn Draghi erst wieder etwas über die Anpassung der Geldpolitik am 26. Oktober. Allerdings erwarten die Analysten der Weberbank hier, dass die EZB weiter sehr besonnen vorgeht bei der Aussicht auf Zinserhöhung und Bilanzreduzierung. In diesem Umfeld würden die Analysten Unternehmensanleihen nach wie vor für interessant halten. Auch Schwellenländeranleihen, die sich im Jahresverlauf resistent gegenüber Schwankungen an den Währungs- und Zinsmärkten gezeigt hätten, würden aufgrund der guten fundamentalen Vorgaben zu den Favoriten der Analysten gehören.

Die Aktienmärkte befänden sich in guter Stimmung. Insbesondere der DAX und die amerikanischen Indices hätten kräftige Kurszuwächse verzeichnet und seien auf neue Allzeithochs gestiegen. Die geplanten Steuerreformen aus Amerika sowie gute Konjunkturzahlen aus Europa und USA hätten zu dieser erfreulichen Entwicklung beigetragen. Besonders gut hätten sich die Einkaufsmanagerindices aus der Eurozone präsentiert. Sie würden ein anhaltendes Wachstum signalisieren. Die Eurozone wachse derzeit nicht nur wirtschaftlich in einem sich annähernden Tempo, sondern auch wieder gemeinschaftlich. Durch die Rede des französischen Präsidenten Macron über ein einheitliches Europa sei dem Markt erneut Sicherheit vermittelt worden, dass die beiden größten Wirtschaftsnationen in Europa zusammenarbeiten möchten.

Das Umfeld für Aktien bleibt nach Meinung der Analysten der Weberbank positiv. Der weltweite synchrone Wirtschaftsaufschwung, der anhaltende Gewinntrend bei den Unternehmen sowie die immer noch expansive Liquiditätspolitik der EZB würden dem DAX auch in Zukunft eine gute Unterstützung geben. (06.10.2017/alc/a/a)