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FED: Zwei Zinsschritte 2017 und Änderung der Wiederanlagepolitik


08.06.17 08:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach der inzwischen traditionellen Delle beim Wachstum im ersten Quartal des Jahres (annualisiert 1,2% gegenüber Vorquartal) zeichnet sich die ebenfalls übliche Belebung im Frühjahr ab, so die Analysten der Helaba.

Nach den vorliegenden Monatsdaten dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal mit einer Rate zwischen 3% und 4% expandieren. Dazu würden auch die noch immer hohen Werte bei den aussagekräftigsten Stimmungsindikatoren wie den ISM-Einkaufsmanagerindices passen. Im Juni habe der Index für das Verarbeitende Gewerbe bei rund 55 gelegen, der Index für den Rest der Wirtschaft sogar bei fast 57. Dies sei in der Vergangenheit mit Vorjahresraten deutlich oberhalb der im ersten Quartal ausgewiesenen 2% verbunden gewesen. Auch im zweiten Halbjahr sollte das Wachstum daher oberhalb dieses Trendwertes bleiben.

Eine Beruhigung sei aktuell hingegen am Arbeitsmarkt zu beobachten. Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 4,3% sei die sogenannte Vollbeschäftigung wohl bereits vor einiger Zeit erreicht worden. Trotzdem habe die Zahl der Stellen in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt noch um 190.000 pro Monat zugelegt, mehr als doppelt so viel wie für die Absorption des steigenden Erwerbspersonenpotenzials erforderlich sei. In den letzten drei Monaten habe der Zuwachs nun etwas niedriger gelegen. Es werde aber kontrovers diskutiert, ob dies ein schwindendes Interesse der Unternehmen an Neueinstellungen oder einen immer akuter werdenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften reflektiere. Die rekordniedrigen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung würden für einen nach wie vor robusten Arbeitsmarkt sprechen.

Neben dem Theater in Washington würden die Konjunkturdaten allerdings derzeit etwas in den Hintergrund treten. Entscheidende Führungspositionen in der Regierung (und in der FED) würden unbesetzt bleiben. In zentralen wirtschaftspolitischen Fragen - Handelspolitik, Steuern, Infrastrukturausgaben - komme Präsident Trump unter anderem deshalb nur schleppend voran, weil einfach das Personal fehle. Auch im Kongress binde die andauernde Diskussion um die Abwicklung von "Obama-Care" personelle Ressourcen. In den vergangenen Wochen habe sich nun noch das Thema "unangemessene Kontakte mit Russland" in den Vordergrund gedrängt. Zwar bleibe ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump unwahrscheinlich, solange die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus stellen würden. Allerdings hätten damit die Ablenkungen von den Sachthemen zugenommen.

Die Kernteuerung bewege sich trotz zweier schwacher Werte im März und April weiterhin im Rahmen der Analysten-Prognosen. Ohne Energie und Nahrungsmittel würden die Preise seit geraumer Zeit mit einer Rate um die 2% steigen. Daran dürfte sich zunächst nicht viel ändern, auch wenn wegen potenziellen Handelshemmnissen steigende Importpreise ein Risiko bleiben würden. Im Jahresschnitt 2017 sollte die Gesamtteuerung bei etwa 2,5% liegen. Dies dürfte ausreichen, um die Notenbank auf Kurs zu halten.

Die Analysten würden in diesem Jahr mit einer etwas schnelleren Rücknahme des extremen Expansionsgrads der Geldpolitik als in 2015/2016 rechnen. Statt für einen Zinsschritt pro Jahr dürfte es 2017 für zwei reichen. Zusätzlich habe die FED ziemlich konkret ihre Absicht angekündigt, noch in diesem Jahr die Wiederanlagepolitik zu ändern und damit ein passives Abschmelzen der Bilanzsumme zuzulassen - was ebenfalls den geldpolitischen Expansionsgrad reduzieren werde. Von einer wirklich restriktiven Politik sei die US-Notenbank aber noch meilenweit entfernt. (Ausgabe vom 07.06.2017) (08.06.2017/alc/a/a)