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FED: Was bedeutet die Nominierung von Jerome Powell zum Nachfolger von Janet Yellen?


10.11.17 12:30
Natixis Global AM

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Nominierung von Jerome Powell für den Posten des US-Notenbankchefs hat keine Erschütterungen ausgelöst, so Philippe Waechter, Chefvolkswirt bei Natixis Asset Management.

Schließlich setze Powell auf die gleichen ökonomischen und geldmarktpolitischen Ansätze wie Janet Yellen. Allerdings gelte er im Hinblick auf das aufsichtsrechtliche Umfeld als marktfreundlicher als Yellen. So gehe man davon aus, dass er die Niedrigzinspolitik zwar fortsetzen, bei der Finanzmarkt- und Bankenaufsicht aber Änderungen vornehmen werde. Deshalb könne diese Personalie aus Sicht eines Finanzinvestors an der Wall Street gar nicht falsch sein. Gleichzeitig decke sich diese Strategie auch mit den Vorstellungen des Weißen Hauses bezüglich der Geldmarktpolitik.

An dieser Stelle könne diese Analyse aber noch nicht zu Ende sein. Powell sei nämlich kein ausgewiesener Spezialist für monetäre Fragen - und das in einer Phase, in der die FED ihre Geldmarktpolitik wieder normalisiere. Die US-Notenbank habe kürzlich einen außergewöhnlichen Prozess eingeleitet, der eine Anhebung der Zinsen, eine Verringerung des Bilanzumfangs sowie eine Beibehaltung der niedrigen Arbeitslosenquote und einer Inflationsrate von 2% vorsehe.

Das Erreichen all dieser Ziele stelle für die Notenbanker vermutlich die schwierigste Aufgabe dar. Und für jemanden, der mit der Theorie der Geldmarktpolitik vielleicht nicht so vertraut sei wie Bernanke und Yellen könne das durchaus eine wirklich schwierige Aufgabe sein. Warum sei das so? Weil es auf konjunktureller Ebene sowohl positive als auch negative Schocks gebe, auf welche die Geldmarktpolitik dann umgehend reagieren müsse. Bisher sei Powell nämlich lediglich der Marschrichtung, die Yellen vorgegeben habe, gefolgt. Was aber passiere, wenn er nun selbst den Weg vorgeben müsse? Es sei klar, dass die Personalie des US-Notenbankchefs für die Glaubwürdigkeit der umgesetzten Geldmarktpolitik entscheidend sei. Gut beobachten lassen habe sich dies beispielsweise im Euroraum, wo die Nominierung von Mario Draghi die Dinge grundlegend verändert und die Eurozone damit möglicherweise gerettet habe.

Es werde interessant sein, die Lage zu beobachten. Man könne also nicht einfach davon ausgehen, dass Powell auf jeden Fall an die Geldmarktpolitik seiner Vorgängerin anknüpfen werde. Er werde ganz anders an die monetäre Strategie herangehen. Und man wisse auch nicht, wie er ganz persönlich auf eine Schocksituation reagieren werde.

Eine zweite Frage betreffe seine Pläne bezüglich des aufsichtsrechtlichen Umfelds. In dieser Hinsicht verfolge er einen anderen Ansatz als Janet Yellen, die ja eher eine strengere Regulierung bevorzuge.

Nein, auch auf monetärer Ebene werde Yellens Strategie also wohl nicht eins zu eins fortgeführt werden. Und Philippe Waechter sei davon überzeugt, dass es dabei um mehr als lediglich geringfügige Unterschiede gehen werde. Entscheidend werde auch sein, wie sich Janet Yellen in Zukunft verhalten werde. Ihr Mandat als FED-Mitglied laufe nämlich eigentlich erst im Januar 2024 aus. Aber werde sie dieses Mandat weiterhin wahrnehmen, nachdem Präsident Trump sie als Notenbankchefin abgesetzt habe? Ihre Pressemeldung, die sie nach der Nominierung von Powell herausgegeben habe, spreche dafür, dass sie zumindest für den Moment bleiben werde, um auf diese Weise einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Das wäre dann natürlich das denkbar beste Szenario.

Interessant werde in den nächsten Monaten auch, auf welche Art und Weise Powell die Unabhängigkeit der FED gewährleisten werde. Seine Beziehungen zum Weißen Haus seien in diesem Zusammenhang spannend, da man dort ja gerne alles fernsteuern möchte. Und man wisse auch, dass Trump die aktuelle Regulierungspolitik der FED sowie das momentane Zinsniveau sehr kritisch beurteile. Werde Powell also entsprechenden Empfehlungen des Weißen Hauses folgen? Dieser Aspekt werde für die Glaubwürdigkeit der FED aber ganz entscheidend sein.

Die andere Frage sei die, wie die US-Notenbank reagieren werde, falls die Republikaner im Kongress die Umsetzung einer geldmarktpolitischen Strategie (ähnlich der "Taylor Rule") fordern sollten. Bernanke und Yellen hätten sich stets geweigert, sich in ein solches Korsett zwängen zu lassen. Wie jedoch werde sich Powell in einem solchen Fall verhalten? Falls die FED eine Art "Taylor Rule" umsetzen sollte, sei ihre Unabhängigkeit nicht länger gegeben.

Die Nominierung von Powell für das Amt des US-Notenbankchefs sei keine Überraschung gewesen. Zumal er seit seiner Berufung in den FED-Vorstand im Jahr 2012 auch nicht für grundlegende Veränderungen stehe. In seiner gesamten Zeit bei der FED sei er am Ende des Tages auch nie derjenige gewesen, der wirklich entschieden habe, was zu tun gewesen sei. Deshalb könne es in seiner Zukunft wesentlich komplizierter werden: Wenn nichts passiere, sei es zwar einfach (wie bei einer Art großen Moderatisierung), aber falls es zu Schocks kommen sollte, könne sich das Ganze erheblich verkomplizieren, denn dann werde er umgehend einige sehr schwere Entscheidungen treffen müssen. Sein Mangel an volkswirtschaftlichem Know-how könnte sich aus jetziger Sicht dann als problematisch erweisen - obwohl ihm ein sehr kompetentes Team zur Seite stehe. Fraglich sei auch, wie er den Deregulierungsprozess umsetzen werde. Werde er dabei zurückhaltend agieren oder doch umfangreichere Maßnahmen einleiten?

Zurzeit gebe es also mehr Fragen als Antworten. Klar sei jedoch, dass Powell mit der Normalisierung der Geldmarktpolitik und der Verhinderung einer neuerlichen Krise vor enorm schwierigen Aufgaben stehe. Darüber hinaus sei anzumerken, dass drei Posten im 7-köpfigen FED-Vorstand bisher noch nicht besetzt worden seien. Zwei Mitglieder habe Donald Trump aber bereits ernannt: Randal Quarles, der vom Kongress noch bestätigt werden müsse, sowie den designierten Notenbankchef Jerome Powell. Mit drei weiteren Neubesetzungen oder möglicherweise sogar vier, falls Janet Yellen vorzeitig aus ihrem Amt scheiden sollte, dürfte der FED-Vorstand in Zukunft ganz anders agieren als unter der Führung von Bernanke und Yellen. Und die Rolle, die Powell dabei spiele, werde deshalb noch bedeutsamer sein. (10.11.2017/alc/a/a)