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FED: Warum die Zinsen erhöhen?


09.06.17 12:50
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auf der FOMC-Sitzung in der Berichtswoche wird allgemein mit einer Zinserhöhung gerechnet, so die Analysten der Helaba.

Die Geister würden sich allerdings daran scheiden, ob die FED den Leitzins dann bis Ende 2018 weiter graduell auf 2% anheben werde (womit die Volkswirte mehrheitlich rechnen würden), oder aber den Zinserhöhungsprozess in Kürze abbrechen müsse (wie es in den Futures eingepreist werde).

Die Analysten würden davon ausgehen, dass die FED das Zielband für den Leitzins am 14. Juni um 25 Basispunkte auf 1% bis 1,25% erhöhen werde - einige Mitglieder des FOMC hätten diesen Schritt schon im April für angemessen gehalten. Interessant werde sein, ob sich die Projektionen der Notenbanker merklich ändern würden - beispielsweise nun ein höherer Leitzins per Ende 2017 und/oder 2018 avisiert werde. Theoretisch könnte die FED auch schon auf dieser Sitzung ihren Fahrplan für die geänderte Wiederanlagepolitik vorstellen. Die Analysten würden jedoch damit rechnen, dass dies auf einer FOMC-Sitzung im zweiten Halbjahr passieren werde, anstelle einer weiteren Zinserhöhung. Das passive Abschmelzen der Bilanzsumme dürfte so graduell ausfallen, dass es den Rentenmarkt nicht spürbar belaste.

Warum aber eigentlich überhaupt die Zinsen erhöhen? Die Inflation sei unter Kontrolle, das Wachstum gehe nicht gerade durch die Decke. Es gebe allerdings sehr wohl gute Gründe dafür, zügig mit einer Normalisierung des Zinsniveaus fortzufahren. Zum einen würden die Analysten die These von einem neutralen Realzins nahe Null für wenig plausibel halten. Die Geldpolitik wirke aktuell nicht mal annähernd neutral. Zum anderen sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Vollauslastung am Arbeitsmarkt in höheren Löhnen und anziehender Teuerung niederschlage. Selbst wenn dieser Zusammenhang nicht so eng sei, wie er manchmal vereinfachend dargestellt werde, er bestehe nach wie vor. Als der Arbeitsmarkt in den letzten beiden Zyklen den aktuellen Auslastungsgrad erreicht habe, habe der Leitzins übrigens bei 5% (2006) bzw. 5,5% (1997) gelegen.

Hinzu komme, dass die FED mit ihrem halbherzigen Kurs die Finanzmärkte nicht in der angeblich gewünschten Richtung beeinflusse. Selbst verglichen mit der Situation ab Juni 2004, als die US-Notenbank das letzte Mal eine verspätete Zinswende eingeleitet habe, kriege sie diesmal kaum einen Fuß auf den Boden. Ein breiter Index für die Finanzierungsbedingungen in der US-Wirtschaft (kurz- und langfristige Zinsen, Aktienkurse, Wechselkurs) habe damals in den 18 Monaten nach der ersten Zinserhöhung um etwa 15 Punkte zugeleget. Aktuell sei er 5 Punkte unterhalb seines Stands zum Zeitpunkt der "Zinswende" im Dezember 2015. Dies liege nicht nur an der Hausse am Aktienmarkt.

Die Finanzierungskosten für Unternehmen seien aktuell mit rund 4,5% für Anleihen (Moody‘s seasoned Baa, Laufzeit 20 Jahre und mehr) volle 100 Basispunkte niedriger als damals. Die zögerliche Normalisierung der Geldpolitik nach der Rezession des Jahres 2001 werde (inzwischen auch von der FED) als eine Ursache der folgenden Blase am Immobilienmarkt und letztlich der "Great Recession" gesehen. Brauche es wirklich noch mehr Argumente für eine Zinserhöhung? (09.06.2017/alc/a/a)