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FED: Tapering-Beschluss könnte schon auf der kommenden November-Sitzung fallen


04.10.21 10:20
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die FED hat die Indikation zu einem Tapering auf der September-Sitzung verstärkt, berichten die Analysten der National-Bank AG.

FED-Chef Powell habe auf der Pressekonferenz zu Protokoll gegeben, dass der Beginn der Rückführung der Anleihekäufe nun unmittelbar bevorstünde und quasi nunmehr jederzeit beschlossen werden könnte. Dies sei dahingehend zu interpretieren, dass der finale Tapering-Beschluss durchaus schon auf der kommenden November-Sitzung der US-Notenbank fallen könnte. Für diese Vorgehensweise gäbe es laut Powell auch eine breite Mehrheit der FOMC-Mitglieder.

Sofern sich die Daten also weiterhin so robust zeigen würden, wie in den letzten Monaten, könnte der Einstieg in den Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik im kommenden Monat Realität werden: Die Analysten der National-Bank AG würden davon ausgehen, dass der jüngste Arbeitsmarktbericht ein Ausreißer nach unten gewesen sei. Insofern würden die Analysten der National-Bank AG nunmehr erwarten, dass die FED per November tatsächlich in das Tapering einsteige.

Aufschlussreich gewesen seien jenseits des Tapering-Tempos auch die Zinsprognosen der FOMC-Mitglieder, die sogenannten Dots, die nun erstmals auch für das Jahr 2024 zur Verfügung gestanden hätten. Sie würden mit Blick auf die Median-Erwartung einen spürbaren Anstieg des Leitzinsniveaus auf dann 1,8 Prozent anweisen. Mit Blick auf den konkreten Leitzinspfad halte die Hälfte der Sitzungsteilnehmer eine Zinserhöhung bereits im kommenden Jahr für angemessen.

Die Analysten der National-Bank AG würden unterdessen auch weiterhin davon ausgehen, dass es höchst fraglich bleibe, ob auch die EZB tatsächlich beginnen werde, die geldpolitische Wende einzuleiten: Mehr und mehr zeichne sich ab, dass die Lieferengpässe die Wirtschaft zumindest im laufenden Jahr signifikant bremsen würden, zudem nähmen die Lockdown-Risiken zum Herbst hin wieder zu. Grundsätzlich bleibe das wirtschaftspolitische Interesse an maximaler geldpolitischer Flankierung mit Blick auf die "fiskalische Dominanz" ein zentrales, wenn nicht das letztlich handlungsleitende Motiv der europäischen Geldpolitik.

Aus der europäischen Sicht bestehe zudem die nach Erachten der Analysten der National-Bank AG handfeste Gefahr, dass es perspektivisch zu einem deutlichen Unterschießen der Inflation auf der gesamteuropäischen Ebenen komme: Stimme die Analyse vor allem der wissenschaftlichen Stäbe der US-Notenbank, dass die Welt es derzeit mit zeitlich eng begrenzten Preisschocks zu tun habe, könnten die disinflationären Gefahren in der Eurozone, die das preispolitische Geschehen in der Eurozone in den 2010er Jahren dominiert hätten, schnell wieder die Oberhand gewinnen.

Die Analysten der National-Bank AG würden diesbezüglich davon ausgehen, dass es viel wahrscheinlicher sei, dass der globale Disinflationstrend nach der Überwindung der Pandemie wieder dominant werde, als das etwa langfristige demographische Trends an der zumindest mittelfristigen Dominanz der Kräfte der "Amazonisierung" etwas ändern sollten. Dazu passend habe die EZB-Präsidentin Lagarde jüngst noch einmal ausdrücklich betont, dass die europäische Geldpolitik darauf gerichtet sei, " (…) die Wirtschaft sicher aus der Pandemie-Notlage herauszuführen (…)". Wie auch die Entwicklung am Devisenmarkt belege, dürfte sich der Kontrast zwischen dem Handeln der EZB und den Notenbanken der anderen Industrienationen weiter akzentuieren.

Vor dem Hintergrund des zusehends näher rückenden Endes der ultraexpansiven Geldpolitik in den USA sollte der internationale Zinstrend weiter aufwärts gerichtet bleiben. Nach wie vor würden die Risiken mit Blick auf die Pandemie zwar erheblich bleiben, in der Summe dürfte der robuste wirtschaftliche Aufwärtstrend aber erhalten bleiben, mit der Folge, dass die Kapazitätsüberhänge an den Arbeitsmärkten weltweit weiter abgebaut werden könnten. Auf Jahressicht würden die Analysten der National-Bank AG vor dem Hintergrund der robusten globalen Perspektiven davon ausgehen, dass die 10-jährigen Staatsanleihen in den Industrienationen ihren Aufwärtstrend auf Sicht der nächsten zwölf Monate nunmehr unmittelbar wiederaufnehmen können sollten. Für die US-Renditen sähen die Analysten der National-Bank AG auf Jahressicht einen kontinuierlichen Anstieg auf Renditen um 1,9% für 10-jährige Staatsanleihen. Demgegenüber sollten die Bundrenditen bei gleicher Laufzeit lediglich marginal auf Werte um -0,1% zulegen können. (Ausgabe vom 01.10.2021) (04.10.2021/alc/a/a)