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FED: Die Strukturen und die Funktionsweise


08.09.20 14:31
Der Aktionär

Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Die amerikanische Notenbank hat viele Stürme und Wirtschaftskrisen meistern müssen, sie gilt als das Bollwerk des amerikanischen Finanz- und Wirtschaftssystems, so Adam Maliszewski vom Anlegermagazin "Der Aktionär".

Doch sei ihre Struktur komplex, fast mythenhaft. Sie unterscheide sich deutlich von der Europäischen Zentralbank. Auf viele Anleger würden manche geldpolitischen Maßnahmen und Marktoperationen oftmals wie ein Buch mit sieben Siegeln wirken.

Die Struktur der FED sei komplex, da hier öffentliche Gremien und Entscheidungsstrukturen Hand in Hand mit privaten Instituten gehen würden. Die FED bestehe aus dem Federal Open Market Committee (FOMC), dem Board of Governors sowie den zwölf regionalen Federal Reserve Banks.

Das Board of Governors sei direkt dem US-Kongress unterstellt. Der Präsident der Federal Reserve werde vorgeschlagen und vom US-Präsident ernannt. So bestehe die Möglichkeit, dass FED-Präsident Jay Powell, der im Februar 2018 seinen Posten angetreten habe, bis zu 14 Jahre im Amt verharre.

Das Board of Governors sei praktisch die zentrale Notenbankleitung. Es fungiere als oberste Bundesbehörde, komme ihm doch die zentrale Aufsicht zu. Das Gremium bestehe aus sieben hauptamtlichen Mitgliedern sowie fünf weiteren, die von den regionalen zwölf Federal Reserve Banks entsendet würden.

Auf den turnusmäßigen Sitzungen des FOMC würden Erklärungen zur Geldpolitik abgegeben. Im März hätten die Notenbanker die Stützung des Finanzsystems beschlossen und so durch diverse Maßnahmen für mehr Stabilität an den Aktien- und Kreditmärkten gesorgt.

Die Besonderheit des amerikanischen Notenbanksystems seien die finanzierenden Privatbanken, die jeweils von einer der zwölf Federal Reserve Banks (FRB) Anteile erwerben würden. Diese Anteilscheine an der FRB seien nicht handelbar. Die Mitgliedschaft der Privatbank - in ihrer zugeordneten Region - sei kraft Gesetz begründet. Diese Privatbanken müssten - anders als in allen anderen Notenbanksystemen der Welt - Kapitalpuffer vorhalten, damit sie in notwendigen Fällen an der Kapitalerhöhung ihrer FRB teilnehmen könnten, und zusätzliches Geld einschießen. Aufgabe der FRB sei es, die Geld- und Kreditpolitik des Board of Governors praktisch umzusetzen.

Die Notenbank steuere über die Höhe der kurzfristigen Zinsen das allgemeine Zinsniveau der ganzen Volkswirtschaft. Primär nähmen Banken und andere Finanzinstitutionen eine Erhöhung dieses Zinses - in den USA werde dieser als FED Funds Rate bezeichnet - als direkte Verknappung der Liquidität wahr, die erhöhten Kreditkosten würden sich unmittelbar bei Banken untereinander (so genannter Interbankenmarkt) und bei Ausleihungen an Unternehmen bemerkbar machen.

Das heiße, ein zu schneller Anstieg der FED Funds durch das FOMC könne als Bremse der Wirtschaft wirken. Durch die starke internationale Vernetzung der Wirtschafts- und Kapitalsysteme bestimme die FED somit den weltweiten Zins. Viele Experten sähen sie als Taktgeber.

Das Wichtigste neben der FED Funds Rate sei dabei der Ausblick der FED in Bezug auf die Beschäftigungslage, die inflationäre Entwicklung und die Stabilität des gesamten Finanz- und Wirtschaftssystems. In der Regel sei die FED in ihrer Gestaltung der Politik frei - nicht so in der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Dieser habe sich in den vergangenen Jahren oft missmutig über die Zinspolitik des Board ausgelassen und die Mitglieder mit harschen Verbalattacken übersät. Im langfristigen Bild habe die FED über Jahrzehnte die FED Funds von rund acht auf nun null heruntergefahren.

Mit der Festlegung des Zinsniveaus bestimme das Board of Governors faktisch den Kreditzins für private Haushalte und Unternehmen. Gleichzeitig steuere das Gremium auch den Zins, sei es nun mit einer mittel- oder langfristigen Laufzeit, zu dem sich der amerikanische Staat Kredite beschaffen könne. Somit sei die Feinsteuerung der FED mittels Wertpapierkäufen immer bedeutsamer. Dadurch, dass sie als Käuferin umlaufender Treasuries (Staatsanleihen) auftreten dürfe, versorge sie das gesamte Finanzsystem mit Liquidität. Die Finanzinstitute würden dadurch wichtigen Spielraum für andere Geschäfte erhalten.

Große Ankäufe tätige die FED in schwierigen Phasen, sodass die Banken die Kreditvergabe ankurbeln würden, damit die Versorgung mit Geld gesichert bleibe und die Wirtschaft nicht zum Erlägen komme.

Das jüngste Beispiel sei das beherzte Eingreifen bei der Verschärfung der Coronavirus-Krise, als die FED ab Mitte März beschlossen habe, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Fonds anzukaufen, um dem Bankensystem noch mehr Liquidität zuzuführen. Zusätzlich seien die FED Funds faktisch auf null gefahren worden.

Die zahlreichen Maßnahmen der FED hätten ihr auch Kritik eingebracht. Kein Experte könne einschlägig beantworten, wie man aus der Zinsfalle herauskommen könne. Es heiße, die Notenbank dürfe nach Corona nur behutsam den Zins anheben.

Zwar sei die Bilanzsumme der Notenbank immer weiter angestiegen, doch die FED überzeuge durch ihr Krisenmanagement. Die Niedrigzinspolitik, wenn auch hier und dort harscher Kritik ausgesetzt, sorge letztendlich für stabile Entwicklung der Vermögenswerte und sei ein positiver Zündstoff für die weltweiten Aktienmärkte. (08.09.2020/alc/a/a)