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FED: Die Phillipskurve ist tot, lang lebe die Phillipskurve!


16.06.17 14:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die FED hat am 14. Juni wie allgemein erwartet den Zielkorridor für den Leitzins auf 1% bis 1,25% erhöht - trotz der zuletzt überraschend niedrigen Teuerung, so die Analysten der Helaba.

Für den weiteren Jahresverlauf würden die Geldpolitiker nach wie vor einen weiteren Zinsschritt in Aussicht stellen. Offenbar habe die niedriger als erwartete Arbeitslosenquote die schwächere Teuerung der vergangenen Monate in dieser Hinsicht kompensiert. Die Analysten der Helaba würden davon ausgehen, dass die FED im zweiten Halbjahr die lange avisierte Korrektur ihrer Bilanzsumme endlich anstoße. Ob sie darüber hinaus noch ein weiteres Mal den Leitzins erhöhen werde, sei aus ihrer Sicht allerdings fraglich. Der Plan für den Abbau des Wertpapierbestands sehe einen recht niedrigen Einstiegswert vor. Dieser werde jedoch später quasi automatisch auf immerhin 50 Mrd. US-Dollar pro Monat ansteigen, was eher oberhalb der vorherigen Helaba-Erwartungen liege. Da die Analysten aber aus der Erfahrung der vergangenen Jahre heraus die Risiken eher auf der Seite einer noch niedrigeren Arbeitslosenquote sehen würden, sei auch die Wahrscheinlichkeit eines zusätzlichen Zinsschrittes nicht zu vernachlässigen.

Nicht gerade einfacher werde diese Prognose durch ein gewisses Kuriosum. Obwohl Janet Yellen in der Pressekonferenz noch einmal explizit auf den Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und Teuerung verwiesen habe, würden die Projektionen der FOMC-Mitglieder zeigen, dass diese Beziehung (die so genannte Phillipskurve) aus ihrer Sicht praktisch tot zu sein scheine. Zwar falle die Arbeitslosigkeit nach den neuen Projektionen nachhaltig unter ihren Gleichgewichtswert. Dies bleibe aber ohne nennenswerte Wirkung auf die Teuerungsrate, die sich bis 2019 bei 2% seitwärts bewegen solle. Das wäre nicht nur eine sehr flache Phillipskurve - sie scheine vielmehr in den Projektionen keinerlei Rolle mehr zu spielen. Damit stelle sich die Frage nach der grundsätzlichen Konzeption der Geldpolitik - wenn der Auslastungsgrad der Wirtschaft keinen Einfluss mehr auf die Teuerung habe, wie genau glaube die FED dann, auf das Erreichen ihres Inflationsziels hinwirken zu können?

Die Analysten der Helaba würden ihre Prognose für die Teuerung im Jahr 2017 von 2,5% auf 2,2% anpassen. Damit würden sie der zuletzt schwachen Entwicklung der Kernrate und des niedrigeren Ölpreises Rechnung tragen. Ihre Annahme für den Ölpreis und die unterstellte Dynamik der Kernteuerung im zweiten Halbjahr würden unverändert bleiben. Janet Yellen habe auf der Pressekonferenz mehrfach betont, dass auch das FOMC die zuletzt niedrigere Teuerung mehrheitlich als in erster Linie von Sondereffekten (Mobiltelefonie, Medikamentenpreise) verursacht interpretiere.

Auf der Pressekonferenz seien daher wieder kritische Stimmen laut geworden, dass es die FED nicht schaffe, die Inflation nach oben zu bringen. Hier sei aber noch einmal daran erinnert, dass die Kaufkraft des US-Dollars in den vergangenen zehn Jahren, einer Phase mit größtenteils "zu niedriger" Teuerung, gemessen am Verbraucherpreisindex immerhin 20% seines Wertes verloren habe. Bei einem durchschnittlichen Preisanstieg von 4% (ein von manchen Ökonomen als Ziel für die FED propagierter Wert) wäre der Wertverlust über zehn Jahre sogar 50%. (16.06.2017/alc/a/a)