FED: Neues Inflationsziel 1%?


15.09.17 11:40
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der Berichtswoche tagt das FOMC, so die Analysten der Helaba.

Es werde allgemein erwartet, dass das Gremium wegen der zuletzt niedrigen Teuerung diesmal von einer Zinserhöhung Abstand nehme. Gleichzeitig sei die konjunkturelle Lage aber robust genug, um wie geplant und angekündigt den Startschuss für die graduelle Bilanznormalisierung zu geben. Obwohl dieser Schritt alles andere als überraschend komme, sei unklar, inwiefern die Anleger dies bereits in ihrem Kalkül berücksichtigt hätten. Die unmittelbaren Wirkungen dieser Maßnahme sollten allerdings überschaubar sein.

Im Zusammenhang mit der US-Geldpolitik seien derzeit andere Fragen spannender: Erstens habe Donald Trump nach dem unerwarteten Rücktritt von Stanley Fischer die Möglichkeit, nicht nur einen Nachfolger für FED-Präsidentin Janet Yellen zu nominieren, sondern auch den Vize und drei weitere Gouverneure. Damit könne er auf kurze Sicht einen enormen Einfluss auf die Besetzung und zukünftige Politik der Notenbank nehmen. In welche Richtung dies gehen werde, sei angesichts der Unberechenbarkeit Trumps völlig offen. Der zunächst als klarer Favorit geltende Ex-Investmentbanker Gary Cohn sei durch Trump-kritische Äußerungen offenbar in Ungnade gefallen. Grundsätzlich gebe es keinen Anlass, die Ernennung von Hardlinern zu erwarten, schließlich sei Trump von Hause her Immobilienunternehmer und damit sicher kein Freund hoher Zinsen.

Mindestens ebenso interessant sei aber die Frage nach dem zukünftigen geldpolitischen Ansatz. Dies gelte umso mehr, wenn ein Befürworter geldpolitischer Regeln wie John Taylor FED-Chef werden sollte. Diese würden nämlich auf dem Konzept einer gleichgewichtigen (oder Ziel-) Teuerung beruhen. Seit langer Zeit definiere die FED diese als "rund 2%". Manche Ökonomen hätten in den vergangenen Jahren hartnäckig eine Verdopplung dieser Zielmarke propagiert. Die FED sei dem erfreulicherweise nicht gefolgt. Aktuell stelle sich sogar zunehmend die entgegengesetzte Frage: Seien 2% nicht zu hoch? Trotz einer seit Mitte 2009 laufenden Expansion und der 2016 erreichten Vollbeschäftigung sei kaum Lohn- und Preisdruck auszumachen. Im Schnitt der letzten zehn Jahre seien die Verbraucherpreise gemessen am von der FED präferierten Index mit und ohne Nahrungsmittel sowie Energie nur um 1,6% p.a. gestiegen.

Aktuelle Studien kämen zu dem Ergebnis, dass die "optimale Teuerung" in den USA auf 1% gefallen sein könnte. Gouverneurin Lael Brainard habe diese Frage in einer Rede vom 5. September aufgegriffen. Sie habe Studien zitiert, die einen Rückgang der Trendinflation in den letzten zehn Jahren um rund 0,5 Prozentpunkte nahelegen würden. Dies stelle die Geldpolitik vor erhebliche Probleme: Solle sie sich dem entgegenstemmen, um bei dem vielleicht fruchtlosen Versuch, doch die 2% zu erreichen, Finanzmarktblasen aufzupumpen? Niedrigere Trendteuerung bedeute, dass der aktuelle Nominalzins einem höheren Realzins entspreche und damit tendenziell stärker bremse. Gleichzeitig wäre dann aber auch der langfristig neutrale Leitzins nominal niedriger - was die gedrückten Nominalrenditen am Rentenmarkt in einem neuen Licht erscheinen ließe. Es gebe jedenfalls mehr als genug zu diskutieren für die FOMC-Mitglieder. (15.09.2017/alc/a/a)