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FED-Konjunkturausblick bleibt mit Abwärtsrisiken behaftet


06.07.20 10:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die jüngst veröffentlichten US-Konjunkturdaten konnten den Aufwärtstrend der letzten Wochen bestätigten, überraschten doch sowohl der Beschäftigungsbericht als auch der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe erneut positiv, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die jüngsten Veröffentlichungen würden das Erreichen eines Konjunkturtiefs im April und den Start einer wirtschaftlichen Erholung im Mai bestätigen, welche sich in den ersten Juni-Wochen fortgesetzt habe. In Anbetracht der deutlichen Anstiege der Infektionszahlen im Süden und Westen der USA sei jedoch fraglich, ob sich dieser Aufwärtstrend ungebrochen fortsetzen werde.

Diese Woche gebe es nur wenige nennenswerte Veröffentlichungen. Im Fokus stünden einerseits der ISM-Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe sowie andererseits die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung. Letztere könnten erste Aufschlüsse über die Auswirkungen der neuen Infektionszahlen beinhalten und sollten auch auf Ebene einzelner Bundesstaaten untersucht werden. Der ISM-Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe werde deutlich höher erwartet, habe doch bereits der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe einen Anstieg auf 52,6 verzeichnet. Insbesondere die Produktions- als auch die Auftragskomponente hätten deutliche Zugewinne gezeigt, auf 53,7 bzw. 56,4 Punkte, und auch Engpässe bei Lieferketten hätten sich entspannt.

Der Beschäftigungsbericht habe neuerlich deutliche Zuwächse am US-Arbeitsmarkt gezeigt. Nach dem Beschäftigungsanstieg von 2,7 Mio. im Mai, seien im Juni 4,8 Mio. neue Stellen geschaffen worden. Die Arbeitslosenquote sei um 2,2%-Punkte auf 11,1% gesunken und die Partizipationsrate habe 61,5% erreicht (+0,7%-Punkte). Trotz des deutlichen Beschäftigungsaufbaus bleibe die Unterauslastung am Arbeitsmarkt hoch, da die Beschäftigung noch 14,7 Mio. unter dem Stand vom Februar liege. Gleichzeitig sei auch die Arbeitslosenquote der nicht-temporär Arbeitslosen gestiegen, was bestätige, dass nicht alle Personen, welche im Zuge der Corona-Krise arbeitslos geworden seien, an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurückkehren würden.

Abseits der Konjunktur- und Infektionsentwicklung habe das Protokoll der US-Notenbank FED im Fokus gestanden. Die Zinssitzung im Juni sei geprägt worden von Diskussionen um Konjunkturrisiken als auch Möglichkeiten, die Forward Guidance zukünftig weiter zu stärken. Der Konjunkturausblick der FED bleibe mit Abwärtsrisiken behaftet, wobei kurzfristig insbesondere die erfolgreiche Eindämmung des Virus im Vordergrund stehe. Mittelfristig könnten freiwillige soziale Distanzierung, vorsorglicher Konsumverzicht, hohe Unsicherheit und der ausgeprägte Beschäftigungsverlust die wirtschaftliche Erholung verlangsamen. Bezüglich geldpolitischer Maßnahmen sei erneut die Möglichkeit der Einführung von Renditeobergrenzen diskutiert worden. Hier scheine ein Konsens jedoch noch nicht bevorzustehen, bedürfe es doch erst einer ausführlicheren Kosten-Nutzen-Analyse. Unter den historischen Beispielen erachte der Offenmarktausschuss die australische Notenbank als besonders relevant, welche ein Renditeziel für die 3-jährige Laufzeit ausgesprochen habe. (Ausgabe vom 03.07.2020) (06.07.2020/alc/a/a)