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FED: Kein Tapering 2021 erwartet


22.02.21 10:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die am Ende der Woche veröffentlichten Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindices für die Eurozone signalisierten, dass sich das Auseinanderklaffen der wirtschaftlichen Entwicklung im Dienstleistungsbereich und in der Industrie im Februar weiter verschärft hat, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Während die Dienstleister ihre Geschäftslage nochmals negativer beurteilt hätten, habe der Frühindikator für das Verarbeitende Gewerbe mit einem Anstieg überrascht (von einem ohnedies klar im Expansionsbereich liegenden Niveau). Diese Ergebnisse hätten die Analysten der RBI in ihre Einschätzungen für die anstehenden Umfrageindikatoren entsprechend einfließen lassen. Die Sentiment-Indices der EU-Kommission sollten eine ähnliche sektorale Unterschiedlichkeit auswiesen. Der deutsche ifo-Index vereine Dienstleister und Industrie in einer Zahl, womit sich positive und negative Entwicklungen weitgehend die Waage halten dürften.

Mit Spannung blicken wir auf die ersten Schnellschätzungen der Inflation für den Monat Februar in einzelnen Ländern, so die Analysten der RBI. Spätestens seit dem unerwartet heftigen Sprung der Teuerungsrate im Januar nach oben sei das Thema Inflation am Finanzmarkt in aller Munde. Der Anstieg sei erstens von temporären Faktoren verursacht worden. Die Statistikämter in Frankreich und Spanien würden auf einen verspäteten Winterschlussverkauf und den Saison-unüblichen geringen Rückgang von Preisen für Pauschalreisen hinweisen. Die Inflationsrate werde sich also im Februar sicher wieder reduzieren. Zweitens seien aber auch für dieses Jahr bleibende Niveauverschiebungen von Preisen zu beobachten gewesen. Die Teuerung im Transport-, Energie- und Haushaltsbereich sollte im Februar nicht wieder stark zurückfallen. Die Februarzahlen würden noch besser Aufschluss geben, wie stark temporäre oder fürs Jahr dauerhafte Faktoren die Teuerung im Januar nach oben getrieben habe.

In den USA stünden diese Woche Konsumdaten im Vordergrund. Nachdem Einzelhandelsumsätze zuletzt deutlich stärker als erwartet hätten zulegen können (+5,3% p.m.), stünden die Vorzeichen für den monatlichen Bericht der persönlichen Einkommen und Ausgaben äußerst günstig. Das im Dezember beschlossene Fiskalpaket (Schecks seien im Januar ausgestellt worden) sollte darin einen deutlichen Anstieg der Einkommen bewirken und damit sowohl den Konsum als auch die Sparquote mit nach oben ziehen. Letztere habe zuletzt bei 13,7% und somit in etwa doppelt so hoch als vor der Krise gelegen. Teile dieser Ersparnisse sollten im weiteren Jahresverlauf die Konjunkturerholung unterstützen und dazu beitragen, das Vorkrisenniveau des BIPs möglicherweise bereits 2021 zu erreichen.

Im Protokoll zur letzten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) steche der explizite Verweis auf die reale Rendite ins Auge, diese Ausführung habe nach Meinung der Analysten der RBI durchaus Marktrelevanz. Zur Erinnerung: Die EZB habe wiederholt klargestellt, dass sie kein Zinsniveauziel bei zugrunde liegenden Benchmarks verfolge (yield targeting bei deutschen Staatsanleihen). Ihr Ziel sei es vielmehr, anhaltend günstige Finanzierungsbedingungen sicherzustellen, was sie an einer Vielzahl von Variablen knüpfe (niedrige Benchmarkzinsen, niedrige Spreads, großzügige Kreditvergabe).

In Bezug auf die Rendite für deutsche Staatsanleihen habe die Notenbank nunmehr die reale Verzinsung stärker in den Vordergrund gerückt. Renditeanstiege, die mit einem Anstieg der Inflationserwartungen einhergehen würden, sollten nicht als unbotmäßige Straffung der geldpolitischen Bedingungen gewertet werden. Wichtig seien der Notenbank anhaltend niedrige (negative) reale Zinsen. Dagegen wünsche sich die EZB sogar einen Anstieg der viel zu niedrigen langfristigen Inflationserwartungen. Ein Anstieg der nominellen deutschen Staatsanleiherendite aufgrund steigender Inflationserwartungen wird unserer Interpretation zufolge also zu keiner geldpolitische Gegensteuerung führen, so die Analysten der RBI.

Im Protokoll der Januar-Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve spiegele sich eine optimistischere Einschätzung des mittelfristigen Ausblicks wider. Die beschlossenen bzw. geplanten Fiskalmaßnahmen würden in Kombination mit Fortschritten bei Impfungen der Wirtschaftsaktivität einen deutlichen Aufwärtsschub verleihen, so die FOMC-Mitglieder. Die Risiken seien aufgrund der Pandemie (Virusmutationen und Probleme bei Produktion bzw. Verteilung von Impfstoffen) jedoch weiterhin hoch. Unter den gegebenen Umständen erachte die FED ein hohes Maß geldpolitischer Unterstützung für notwendig. Insbesondere die Erfüllung des Beschäftigungsziels werde, selbst bei konjunkturellem Rückenwind, noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Des Weiteren sollten bevorstehende Inflationsanstiege als temporär erachtet werden und würden demnach kein geldpolitisches Gegenlenken implizieren.

Hinsichtlich eines bevorstehenden Taperings (Reduktion der Netto-Anleihekäufe) sei betont worden, dass es bis zu einem substanziellen Fortschritt zur Erreichung der geldpolitischen Ziele noch einige Zeit dauern werde, welcher den Beginn des Tapering impliziere. Die Analysten der RBI würden sich in ihrer Einschätzung bestätigt fühlen, dass es 2021 zu keinem Tapering kommen werde.

Auf den Rentenmärkten habe sich der Renditeanstieg seit Anfang Februar weiter fortgesetzt, auch wenn sich dieser in den letzten Tagen, nach den Veröffentlichungen der Notenbankprotokolle, etwas abgeflacht habe. Die Anstiege würden mit einer Versteilung der Renditekurve einhergehen und seien demnach vordergründig mit optimistischeren mittelfristigen Erwartungen als mit dem Blick auf die bevorstehenden Monate in Verbindung zu setzen. Insbesondere höhere Inflationserwartungen hätten zu den steigenden Renditeniveaus beigetragen, eine Entwicklung, welche in den USA bereits länger zu beobachten gewesen sei. Zuletzt hätten jedoch auch reale Renditen etwas zugelegt, hier würden die Analysten der RBI den Aufwärtsdruck aber insbesondere in der Eurozone für sehr begrenzt erachten. In den USA würden die Analysten der RBI den Druck auf das Renditeniveau als ausgeprägter einschätzen, weswegen sie ihre Renditeprognosen nach oben angepasst hätten.

Im Umfeld eines rapiden Konjunkturaufschwungs 2021, welcher neben Lockerungen der Einschränkungen auch durch eine äußerst expansive Fiskalpolitik getrieben werde, würden die Analysten der RBI eine weitere Versteilung der Treasury-Kurve als wahrscheinlich erachten. Stelle sich im Folgejahr erneut ein gewohnt moderater Inflationsausblick ein und würden sich die Fortschritte beim Erreichen des Beschäftigungsziels der FED abschwächen, seien die Voraussetzungen für weitere Renditeanstiege im Jahr 2022 jedoch deutlich schlechter als noch in 2021. (Ausgabe vom 19.02.2021) (22.02.2021/alc/a/a)