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FED: Erste Anhaltspunkte zum Tapering


11.01.21 09:28
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Das Protokoll der FED-Sitzung vom Dezember liefert interessante Details über die jüngst adaptierte Forward Guidance der FED-Bilanzpolitik, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Reduktion der Netto-Anleihekäufe, auch Tapering genannt, solle weit im Voraus kommuniziert werden. Die Entscheidung über das Tapering werde auf Basis einer breit gefächerten qualitativen Beurteilung erfolgen und nicht auf einem numerischen Automatismus beruhen. Das graduelle Tapering der Jahre 2013/14 werde als geeignete Vorlage erachtet.

Im Dezember habe die US-Notenbank ihr geldpolitisches Maßnahmenpaket vervollständigt, indem sie ihre Bilanzpolitik (QE) um eine mittelfristige Forward Guidance ergänzt habe. Das aktuelle Tempo der Nettoanleihekäufe in Höhe von USD 80 Mrd. in US-Treasuries und USD 40 Mrd. für MBS werde so lange fortgesetzt, bis "weitere substanzielle Fortschritte" zur Erreichung der Notenbankziele - maximale Beschäftigung und Preisstabilität - erzielt worden seien. Aus dem jüngst veröffentlichten Protokoll der Zinssitzung gehe hervor, dass ein bevorstehendes Tapering frühzeitig kommuniziert werde.

Bislang gebe es wenig Klarheit darüber, was die Formulierung "weitere substanzielle Fortschritte" tatsächlich bedeute. Die Mitglieder des geldpolitischen Offenmarktausschusses der FED würden darauf hindeuten, dass die Bewertung auf breit gefächerte qualitative Kriterien und nicht auf spezifische numerische Schwellenwerten beruhen werde. Der Fokus habe wohl erstmals vorwiegend darauf gelegen, die Erwartungen über die Bilanzpolitik der FED mit dem Wirtschaftsausblick zu verknüpfen. Für 2021 werde ein starkes Wachstum erwartet, wobei die Konjunkturerholung vorwiegend in der zweiten Jahreshälfte Fahrt aufnehmen sollte, je nachdem wie erfolgreich die Impfungen verlaufen würden. So könnte das Tapering möglicherweise Anfang 2022 starten. Die Erwartung einer lockeren Fiskalpolitik infolge der demokratischen Mehrheit im US-Senat habe den Konjunkturoptimismus in jüngster Zeit verstärkt, was das Tapering zeitlich vorziehen könnte, falls sich Aufwärtsrisiken realisieren würden.

Das Tapering werde sehr graduell erfolgen. Das Protokoll der Zinssitzung deute darauf hin, dass "der Prozess (...) im Allgemeinen einer ähnlichen Sequenz folgen könnte, wie während des groß angelegten Kaufprogramms in den Jahren 2013 und 2014." Damals seien die Nettoanleihekäufe sowohl in Treasuries als auch MBS um USD 5 Mrd. pro Zinssitzung reduziert worden. Diesem Tempo folgend, würde es zwei Jahre dauern, bis die FED ihr QE-Programm beende. Das Tapering würde also bis weit ins Jahr 2023 andauern. Dieser Zeitplan sei konsistent mit den aktuellen Konjunkturprognosen der FED, welche die Federal Funds Rate mindestens bis 2023 auf dem aktuellen Niveau ausweisen würden. Eine erste Zinserhöhung sei daran geknüpft, dass die Nettokäufe beendet worden seien der akkumulierte Bestand aber weiterhin reinvestiert werde.

Der geldpolitische Kurs der FED werde auch in den nächsten Jahren sehr unterstützend bleiben und nur eine substanzielle Neueinschätzung des aktuellen Wirtschaftsausblicks würde eine Änderung auslösen. Wie die Präsidentin der Cleveland FED, Mester, kürzlich in einer Rede betont habe, "wird sich Geduld als eine Tugend erweisen". Nichtsdestotrotz werde die Diskussion über einen möglichen Start des Tapering an den Finanzmärkten eher früher als später intensiver geführt werden, da die Konjunkturdynamik im Laufe des Jahres an Fahrt gewinnen sollte. Doch selbst wenn die Nettokäufe reduziert würden, werde die FED-Bilanz noch für einige Zeit steigen und sowohl absolut (in USD) als auch relativ (zum BIP) noch länger auf hohem Niveau verharren. Ein dämpfender Effekt auf langfristige Renditen werde demnach weiter bestehen bleiben. (11.01.2021/alc/a/a)