Expansive Geldpolitik trotz hoher Inflation in Polen


11.09.19 09:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In Polen liegt der Leitzins seit März 2015 bei historisch niedrigen 1,50%, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Dabei präsentiere sich die Wirtschaft in einer sehr guten Verfassung: nach einem BIP-Plus von 5,1% in 2018 zeichne sich auch für das laufende Jahre ein BIP-Anstieg von mehr als 4% ab. Gleichzeitig sei die Jahresrate der Konsumentenpreise im Juli mit 2,9% (August: 2,8%) auf das höchste Niveau seit Oktober 2012 und über das zentrale Inflationsziel der Notenbank (2,5%) gestiegen. Einige Mitglieder des geldpolitischen Komitees der Narodowy Bank Polski (NBP) hätten daraufhin eine moderate Verschärfung der Geldpolitik in Aussicht gestellt.

NBP-Chef Adam Glapiński habe indes den flexiblen Ansatz der Notenbank bei der Inflationssteuerung betont, welcher auch die Bereitschaft beinhalte, ein temporäres Überschießen der Teuerung zuzulassen. Zuletzt hätten die polnischen Währungshüter zudem verstärkt die Risiken für die heimische Wirtschaft aufgrund der jüngsten globalen Entwicklungen (Handelskonflikte, abnehmende BIP-Dynamik) herausgestellt. Trotz eines soliden Arbeitsmarkts - im Juli habe die Arbeitslosenquote in Polen mit nur noch 5,2% auf dem niedrigsten Stand seit September 1990 gelegen - und weiter kräftig steigender Löhne (2019e: 7,0% gg. Vj.) würden die Analysten daher weder auf der heutigen NBP-Sitzung noch bis Ende 2020 mit einer Veränderung des Referenzzinssatzes rechnen.

Der Polnische Zloty (PLN) sei im August aufgrund verringerter Leitzinserhöhungserwartungen verstärkt unter Druck geraten. Diese Tendenz dürfte erneut einsetzen, sollte die NBP ihre "lediglich" neutrale geldpolitische Haltung bekräftigen. Zum Jahresende 2019 würden die Analysten mit Notierungen zum Euro von 4,50 PLN rechnen. (11.09.2019/alc/a/a)