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Ex-Bondkönig nennt Anleihen "Müll"


06.09.21 13:45
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Der einstige Bondkönig Bill Gross wettert auf seiner Internetseite gegen bestimmte Anleihenfonds, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Renditen längerfristiger US-Bonds seien so niedrig, dass die Fonds, die sie kauften, in den "Anlagemülleimer" gehörten. "Cash ist schon lange Müll, aber jetzt gibt es neue Anwärter", wettere Bill Gross (77), der in den 1970er Jahren die heutige Allianz-Tochter PIMCO mitbegründet habe und 2019 in den Ruhestand gegangen sei. "Mittel- bis langfristige Anleihefonds gehören mit Sicherheit in diesen Mülleimer, aber werden Aktien folgen? Das Gewinnwachstum sollte besser zweistellig sein, sonst könnten sie in den Müllcontainer wandern." Im März habe er im Gespräch mit Bloomberg-TV gesagt, dass er bei rund 1,25 Prozent gegen US-Treasuries zu wetten begonnen habe. Die Papiere seien danach zunächst abverkauft worden. Seither hätten sie jedoch eine Rally erlebt, da die wieder um sich greifende Corona-Pandemie Sorgen zum Wirtschaftswachstum nähre.

In seinem jüngsten Ausblick lege Gross dar, dass die Dynamik von Angebot und Nachfrage gegen Treasuries spreche. Auf dem derzeitigen Niveau könnten die Renditen "nur noch steigen". Die US-Notenbank könnte schon bald damit beginnen, die Ankäufe von Vermögenswerten zurückzufahren, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage ausländischer Zentralbanken und Anleger bereits nachlasse, so Gross. Derweil würden Haushaltsdefizite von mindestens 1,5 Billionen US-Dollar darauf hindeuten, dass das Angebot an Staatsanleihen hoch bleiben werde.

Im Rahmen ihres Programms zur quantitativen Lockerung habe die FED rund 60 Prozent der Treasury-Nettoemissionen aufgekauft, zitiere Gross eine Studie des Institute of International Finance (IFF). "Wie bereit werden daher die privaten Märkte sein, diese künftigen 60 Prozent Mitte 2022 und darüber hinaus zu absorbieren?" habe Gross geschrieben. "Wenn die Inflation bis dahin wieder das Ziel von zwei Prozent und mehr erreicht, kann ein "Tantrum" vielleicht vermieden werden, aber wie viele weitere fiskalische Ausgabenprogramme können wir uns leisten, ohne dafür mit höheren Zinsen zu bezahlen?"

"Ich denke auf Sicht der nächsten zwölf Monaten bei zehnjährigen Treasuries an zwei Prozent Rendite", so Gross. "Anhand meiner alternden mathematischen Gymnastik entspricht das einem Kursverlust von vier bis fünf Prozent und einer negativen Gesamtrendite von 2,5 bis drei Prozent." (06.09.2021/alc/a/a)