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Eurozonen-Renditen legen Verschnaufpause ein


01.06.21 09:45
ALTE LEIPZIGER Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Preise in Deutschland legen seit Jahresbeginn gegenüber den jeweiligen Vorjahreswerten kontinuierlich zu, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.

Im Mai betrage die Inflationsrate rund 2,6%. Der Trend zu höheren Preisen dürfte sich in den nächsten Monaten zunächst noch weiter fortsetzen. Grund zu größerer Sorge würden die Experten nicht sehen, denn insbesondere der starke Anstieg zum Jahresanfang sei auf mehrere Sondereffekte zurückzuführen, etwa dem Auslaufen der temporären Mehrwertsteuersenkung. Für das Gesamtjahr 2021 würden die Experten eine Inflationsrate um 2,5% erwarten.

Aufgrund der deutlich aggressiven Fiskalpolitik in den USA, die durch die Erhöhung der Arbeitslosenhilfe unmittelbar auf die Löhne im Niedriglohnbereich wirke, habe dort die Inflation gemessen am CPI-Verbraucherpreisindex im April die 4%-Marke überschritten und könnte im Mai sogar 5% erreichen. Im Umfeld sinkender Arbeitslosigkeit und einer weiterhin expansiven Fiskalpolitik rücke somit ein Ende der ultralockeren FED-Politik näher. Da auch in den USA die Wirtschaftsentwicklung fragil bleibe und eine Panik an den Finanzmärkten in jedem Fall verhindert werden solle, dürfte diese verbal äußerst vorsichtig eingeleitet werden. Ein geeigneter Zeitpunkt für eine Ankündigung von der Abkehr vom Tapering wäre zum Beispiel die Jackson Hole-Konferenz im August dieses Jahres, um dann 2022 die Anleihekäufe zunächst sehr langsam zu reduzieren.

Der jüngste Anstieg der US-Inflation sei aber hauptsächlich auf den Basiseffekt zurückzuführen. Dieser resultiere aus dem Rückgang des Preisdrucks im April 2020. Für das Gesamtjahr 2021 sei eine Inflation in Höhe von 2,8% realistisch.

In den vergangenen Wochen hätten die Debatte um höhere Inflationsraten sowie die Spekulation über ein früheres Ende der ultraexpansiven Geldpolitik der EZB und der US-Notenbank FED die Renditen deutlich ansteigen lassen - so habe sich die laufende Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen seit Monatsbeginn von -0,20% auf zeitweise bis zu -0,07% erhöht. Nun scheine diesem Aufwärtstrend etwas die Luft auszugehen, denn die Renditen seien in den letzten Tagen wieder deutlich rückläufig gewesen. Die zehnjährigen Bundesanleihen hätten zwischenzeitlich nur noch mit -0,21%, zehnjährige US-Treasuries nur mit 1,55% - nach 1,70% Mitte Mai - rentiert.

In der südlichen Eurozone habe der steigende Renditetrend ebenfalls nur bis zur Mitte des Monats angehalten, bevor die Zinszuwächse wieder abgegeben worden seien. Beispielsweise sei die italienische Rendite von ihrem Hoch bei 1,12% in der Folge um rund 20 Basispunkte gefallen. Diese Bewegungen seien weitgehend parallel zur Entwicklung der Inflationserwartung erfolgt.

Konjunktureller Aufschwung und zumindest die Aussicht auf moderat weiter erhöhte Inflationsraten dürften die Renditeentwicklung auch in den kommenden Wochen bestimmen. Gleichwohl werde voraussichtlich erst im (Spät-)Sommer ein klareres Urteil darüber möglich sein, ob die steigende Teuerung überwiegend temporären oder strukturellen Charakter besitze. In den vergangenen vier Wochen sei über mehrere Währungsräume erneut zu beobachten gewesen, dass die längeren Laufzeiten der Rentenpapiere tendenziell stärker unter Druck gestanden hätten.

Die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust rechnen mit weiter moderat steigenden Renditen, wenngleich sich die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken fortsetzen dürfte. (Ausgabe Juni 2021) (01.06.2021/alc/a/a)