Eurozone wird immer japanischer - Wahrscheinlichkeit einer EZB-Zinssenkung steigt


09.09.19 10:15
BNY Mellon IM

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Finanzmärkte haben bereits eingepreist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in der kommenden Sitzung am 12. September ihre Geldpolitik weiter lockern wird - Paul Brain, Head of Fixed Income bei Newton IM, einer Investmentgesellschaft von BNY Mellon Investment Management, äußert sich zur fortgesetzten "Japanisierung" der europäischen Wirtschaft, zur Fixierung der Märkte auf die Zentralbanken und zur Notwendigkeit fiskalpolitischer Maßnahmen.

Die Verlangsamung des Welthandels seit Mitte letzten Jahres stelle die Geldpolitik - das derzeit einzig verfügbare Instrument - auf die Probe und löse Spekulationen aus, dass die Regierungen mit fiskal-politischen Maßnahmen als Nächstes in den europäischen Markt eingreifen würden. Nach den Diskussionen in der letzten EZB-Sitzung habe der Markt bereits die Erwartungen an eine moderate Senkung der Leitzinsen und die Wiederaufnahme der Anleihen-Käufe eingepreist.

Auch die "Japanisierung" Europas dürfte sich fortsetzen. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass die EZB die Zinsen noch weiter senken werde. Anhaltend negative Zinssätze würden Fragen zur wirtschaftlichen Stabilität aufwerfen. Die EZB lote entsprechend die Auswirkungen ihrer Geldpolitik aus und signalisiere, dass mehr getan werden müsse.

Eine moderate Senkung der Leitzinsen - vielleicht um 10 Basispunkte - dürfte die europäische Wirtschaft nicht stark beeinflussen. Ein solcher Schritt untermauere die negative Zinsstruktur weiter, die für den Bankensektor und die Anleger so schädlich sei. Andere Ansätze wie der Kauf von Anleihen und die Bereitstellung von Liquidität für den Bankensektor könnten die Wirtschaft unterstützen. Jedoch würden Stimmen lauter, die die Regierungen auffordern würden, in den Konjunkturkreislauf mit beispielsweise der Erhöhung der Staatsausgaben einzugreifen. Künftig sollten sich alle Marktteilnehmer stärker darauf konzentrieren, welche Richtung die Regierungen fiskalpolitisch einschlagen würden, als sich nur auf die Entscheidungen der Zentralbanken zu fixieren. (09.09.2019/alc/a/a)