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Eurozone: Zinssitzung der Europäischen Zentralbank im Fokus


04.09.17 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Diese Woche steht ganz im Zeichen der mit Spannung erwarteten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Es stehe zwar keine Änderung der aktuellen Maßnahmen an, allerdings solle laut Protokoll der Sitzung vom Juli im Herbst dieses Jahres der Fahrplan für die zukünftige geldpolitische Ausrichtung bekannt gegeben werden. Vor allem die Vorgehensweise bei den Anleihekäufen nach Ende 2017 stehe zur Entscheidung an. Angesichts der Zurückhaltung der EZB-Ratsmitglieder und allen voran des Direktoriums mit öffentlichen Kommentaren sei jedoch auf der September Sitzung eine Beschlussfassung wenig wahrscheinlich. Diese werde wohl auf der Sitzung Ende Oktober erfolgen. Allerdings dürften die Ratsmitglieder hinter verschlossenen Türen zumindest diverse Optionen diskutieren.

Auf der Pressekonferenz im Anschluss zur Sitzung könnte EZB-Präsident Draghi die favorisierte Stoßrichtung bekannt machen und somit die Markterwartung bezüglich wesentlicher Parameter lenken. Die Analysten würden erwarten, dass Draghi einmal mehr versuchen werde, eine absehbare Reduktion der geldpolitischen Akkommodation möglichst "taubenhaft" zu verkaufen.

Die Ausgangslage stelle sich folgendermaßen dar: Die EZB habe kein Problem mit einem etwas höheren zugrundeliegenden Zinsniveau am Kapitalmarkt (Rendite von deutschen Staatsanleihen), wolle aber gleichzeitig Risikoprämien weiterhin auf einem tiefen Niveau verankert wissen. Zudem solle keine weitere merkliche Euroaufwertung erfolgen. Der Markt rechne allgemein mit einer Verlängerung der Anleihekäufe bis weit ins Jahr 2018, jedoch zu einem reduzierten Volumen. Strittig sei, bis wann die Anleihekäufe eingestellt würden und ob sich die Notenbank diesbezüglich vorab festlegen werde. Der Markt werde also auf Andeutungen bezüglich dieser Punkte sensibel reagieren.

Die Analysten seien der Meinung, dass das wirtschaftliche Umfeld reif für ein graduelles Auslaufen der Anleihekäufe im Jahr 2018 sei. Dies sollte die Rendite für deutsche Staatsanleihen bereits bis Jahresende 2017 klettern lassen und die Renditekurve versteilern. In der Spezial Publikation "Auslaufen der EZB Anleihekäufe - Wirkung auf Benchmarkzinsen" sei eine umfassende Ausarbeitung zu den Optionen der EZB, der von den Analysten favorisierten Vorgehensweise und der von ihnen erwarteten Reaktion der Euribor-Sätze und der Rendite von deutschen Staatsanleihen zu finden.

Die Daten in den kommenden Tagen würden wohl angesichts der EZB-Sitzung zu einer Randnotiz verkümmern. Mit dem Sentix-Index stehe die erste Konjunkturumfrage für den Monat September am Programm. Die Analysten würden einen kleinen Rückgang erwarten. Die Einkaufsmanagerindices für den Dienstleistungsbereich seien die letzten interessanten Umfragen für August. Auf Basis der bekannten Schnellschätzung für die Eurozone bzw. für Deutschland und Frankreich zeichne sich bei den noch nicht veröffentlichten Erhebungen für Spanien und Italien ein deutliches Minus ab. Mit den Ergebnissen zur Industrieproduktion einzelner Länder stünden auch interessante realwirtschaftliche Indikatoren für den Monat Juli an. Die Analysten würden in Deutschland, Frankreich und Spanien mit einem Rückgang des Outputs im Vergleich zum Vormonat rechnen.

In Deutschland würden die bereits vorliegenden Daten des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA) auf einen merklichen Rückgang der Produktion von Kraftwagen hindeuten. Aufgrund des hohen Anteils der Automobilindustrie am deutschen Verarbeitenden Gewerbe dürfte dies auf die gesamte Industrieproduktion durchschlagen. (Ausgabe vom 01.09.2017) (04.09.2017/alc/a/a)