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Eurozone: Staatsanleihemarkt dürfte sich auf die Entwicklung zum Thema Brexit konzentrieren


14.01.19 09:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Datenkalender ist in den kommenden Tagen dünn besetzt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Mit der Bau- und Industrieproduktion stünden aber zumindest aussagekräftige Indikatoren zur realwirtschaftlichen Entwicklung im letzten Quartal des alten Jahres an. Die vorliegenden Ergebnisse aus einzelnen Ländern der Eurozone würden darauf schließen lassen, dass der Industrieoutput im November klar unter dem Vormonat gelegen habe. Zum einen zeige nun die Aktivität tatsächlich die von den Umfrageindikatoren signalisierte starke Abkühlung. Zum anderen sollte aber mit dem erwartet starken Rückgang der Produktion im November die Schwächephase in der Industrie ihre Talsohle erreicht haben.

Die Analysten würden keinen fortgesetzten Einbruch der Industrieproduktion bzw. der gesamtwirtschaftlichen Aktivität erwarten. Dennoch, die Abkühlung bis November sei derart heftig ausgefallen, dass das BIP in der Eurozone in Q4 2018 im Vergleich zum Vorquartal wohl stagniert haben dürfte. Selbst ein leichter Rückgang des BIP im Vormonatsvergleich sei nicht auszuschließen.

Die zuletzt schwache Wirtschaftsentwicklung habe auch die Aufmerksamkeit von EZB-Ratsmitgliedern gefunden. Laut Protokoll zur EZB-Zinssitzung im Dezember würden viele Entscheidungsträger mit zunehmender Sorge auf die Konjunkturdaten blicken. In der Januar-Sitzung dürften die Risiken für die Wirtschaftsaussichten wohl nicht mehr als ausgewogen, sondern vielmehr als nach unten gerichtet bezeichnet werden.

Der Staatsanleihemarkt dürfte sich in den kommenden Tagen auf die Entwicklung zum Thema Brexit konzentrieren. Am 15. Januar stehe die Abstimmung im britischen Unterhaus zum Abkommen an. Nach wie vor sei eine Mehrheit für den aktuellen Entwurf sehr unwahrscheinlich. Sichere Häfen dürften daher gesucht bleiben, und somit sollten die Renditen von deutschen Staatsanleihen weiterhin auf einem niedrigen Niveau verharren. In der abgelaufenen Woche hätten die britischen Parlamentarier zudem bestimmt, dass die Regierung im Falle einer Ablehnung binnen drei Sitzungstagen einen Plan zur weiteren Vorgangsweise vorweisen müsse.

Die Interessenslagen der Abgeordneten erscheinen inzwischen derart zersplittert und festgefahren (Zustimmung zum Deal, Rücktritt Premierministerin May mit oder ohne Neuwahlen, neues Referendum etc.), dass ein mehrheitsfähiger Kompromiss - der zudem mit der EU ausverhandelt werden müsste - bis 29. März wohl nur mehr schwer zu finden ist, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Die Analysten würden dennoch nicht rechnen, dass ein Brexit ohne Abkommen erfolge. Vielmehr sei zur Not mit einem Aufschub des Austritts Großbritanniens aus der EU zu rechnen. (Ausgabe vom 11.01.2019) (14.01.2019/alc/a/a)