Eurozone: Rückgang der Inflationsrate auf 1,6 bis 1,7% p.a. erwartet


02.01.19 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den ersten Tagen des neuen Jahres sind am Datenkalender mit der Schnellschätzung der Inflationsrate und den Einkaufsmanagerindices die wohl meist beachteten Wirtschaftsdaten für die Eurozone vermerkt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Angesichts des starken Ölpreisrückgangs gelte es als sicher, dass die Teuerung im Dezember 2018 merklich nachgelassen habe. Nach Einschätzung der Analysten habe sich der Auftrieb der Energiepreise (November 9,1% p.a.) um rund drei Prozentpunkte verringert. Somit würden sie mit einem Rückgang der Inflationsrate auf 1,6 bis 1,7% p.a. rechnen. Sofern der Ölpreis nicht anziehe, werde die Jahresveränderungsrate der Energiegüter bzw. des Konsumentenpreisindex in den kommenden Monaten weiter deutlich zurückfallen. Für die Einkaufsmanagerindices lägen bereits Schnellschätzungen für die Eurozone, Deutschland und Frankreich vor.

Unter den bekannten Resultaten steche der regelrechte Absturz des Stimmungsindikators für den Dienstleistungsbereich in Frankreich hervor. Dies sei innenpolitischen Turbulenzen geschuldet (Gelbwesten Proteste) und nicht repräsentativ für andere Länder. Für die noch nicht bekannten Ergebnisse für Italien und Spanien würden die Analysten daher weitgehend unveränderte Werte erwarten, was die jüngste Indiktion der Schnellschätzung für eine weitere Wachstumsverlangsamung des Euroraums etwas relativieren würde.

Die Kurse deutscher Staatsanleihen seien in den vergangenen Tagen von den starken Kursabschlägen auf den Aktienmärkten geprägt gewesen. Deutsche Staatsanleihen seien in einem derartigen Finanzmarktumfeld als sicherer Hafen gefragt, was die Renditen nach unten dränge. Zusätzlich seien der absehbare Rückfall der Inflation und der Abwärtstrend bei Konjunkturfrühindikatoren renditedämpfend.

Interessant sei, dass sich die Nervosität am Aktienmarkt bislang nur in einem vergleichsweise geringen Ausmaß auf den breiten Staatsanleihemarkt übertrage. Die Rendite Spreads einzelner Euroländer gegenüber Deutschland hätten in der aktuellen "risk-off" Phase mit Ausnahme Frankreichs nur wenig zugelegt. Die Renditen für deutsche Staatsanleihen würden nach Einschätzung der Analysten am unteren Rand der von ihnen für das erste Quartal 2019 erwarteten Bandbreite notieren.

Zum ersten würden sie mit keinem anhaltenden Ausverkauf bei Aktien rechnen. Zum zweiten würden sie in den kommenden Monaten eine Bodenbildung bei aussagekräftigen Konjunkturumfragen erwarten. Immerhin würden sich gute Gründe für die nunmehr erfolgte Wachstumsverlangsamung, aber wenig plausible Erklärungen für ein Abrutschen der Wirtschaft in eine Rezession finden lassen. Drittens sollte spätestens ab dem Frühjahr die Teuerung ex Energie aufgrund des steigenden Lohndrucks nach oben tendieren. In Summe würden die Analysten Ende Q1 2019 mit spürbar höheren deutschen Staatsanleiherenditen rechnen. (Ausgabe vom 28.12.2018) (02.01.2019/alc/a/a)