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Eurozone: Renditen der Kernländer erreichen die niedrigsten Werte seit Ende 2016


07.01.19 11:22
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der Eurozone haben die Renditen der Kernländer, insbesondere Deutschlands, zuletzt die niedrigsten Werte seit Ende 2016 erreicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Stagnierende Kerninflation und schwache Konjunkturindikatoren (PMIs) scheinen bei den Marktteilnehmern die Befürchtung einer substanziellen Verlangsamung des Wachstums hervorzurufen, so die Analysten der RBI. Die dadurch entstehende Abwärtstendenz bei den Renditen sei noch durch mehrere Faktoren verstärkt worden: Nachfrage nach sicheren Häfen im Kontext politischer Spannungen und dem jüngsten Aktienmarkteinbruch, Abwärtssog der amerikanischen Renditen und geringe Marktliquidität.

Die aktuelle Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen von 0,15% erscheine den Analysten der RBI allerdings als äußerst tief. Immerhin impliziere dies für die nächsten zwei Jahre nur noch eine Zinsanhebung von ca. 12 BP. Unserer Meinung nach ist damit kaum mehr Potenzial nach unten gegeben, so die Analysten der RBI. Es sei denn die Marktteilnehmer würden tatsächlich beginnen das Risiko einer Zinssenkung (!) zu preisen. In den nächsten Wochen könnten die deutschen Renditen jedoch weiter auf diesen tiefen Niveaus verharren. So sei seitens der Konjunkturindikatoren vorerst kaum mit Rückenwind zu rechnen. Bei den PMIs seien weitere Rückgänge bei teilweisem Unterschreiten der Expansionsschwelle von 50 Punkten durchaus möglich.

Auch die Inflationsentwicklung zeige sich weiter wenig dynamisch. Für Dezember habe die Schellschätzung der Kerninflation für die Eurozone wieder bei nur 1,0% p.a. gelegen. Mittelfristig würden die Analysten der RBI wie die EZB jedoch davon ausgehen, dass sich der zunehmende Lohndruck in der Inflationsrate niederschlagen werde. Immerhin sei im Q3 2018 die Lohnentwicklung in der Eurozone mit einem Anstieg von 2,5% so stark ausgefallen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Generell brauche es zwei bis drei Quartale, bis dies Auswirkungen auf die Kerninflation zeige. Dann sei auch wieder mit höheren Niveaus bei den deutschen Renditen zu rechnen und die Marktteilnehmer dürften erneut mehrheitlich auf das geldpolitische Szenario der EZB einschwenken. Die Analysten der RBI würden daher ihre Verkaufsempfehlung für den Zeithorizont von ein bis vier Monaten für die gesamte deutsche Kurve aufrechthalten. (Ausgabe vom 04.01.2019) (07.01.2019/alc/a/a)