Eurozone: Niedrige Inflation und mageres Wachstum rufen EZB auf den Plan


06.11.19 09:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Eurozone ist im dritten Quartal mit 0,2% gegenüber dem Vorquartal gewachsen und damit etwas stärker als gedacht, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Die leicht positive Überraschung sei auf die besseren Wachstumszahlen aus Frankreich (0,3% QoQ) und Italien (0,1% QoQ) zurückzuführen.

Ende Oktober sei ein No-Deal-Brexit vermieden worden und auch zu einem späteren Zeitpunkt sei dieser mit dem neuen Brexit-Abkommen weniger wahrscheinlich geworden. Nach Erachten der Analysten würden sich damit die Konjunkturrisiken für die Eurozone reduzieren, nichtsdestotrotz bleibe die Situation insgesamt eher fragil - beispielsweise dürfte der Handelskonflikt zwischen den USA und China nicht umfassend gelöst werden -, sodass die Analysten auf Sicht der nächsten Quartale allenfalls ein mageres Wachstum erwarten würden. 2019 dürfte das Wachstum daher bei 1,1% liegen, 2020 bei 0,8%.

Angesichts einer deutlich unterhalb ihres Preisziels von knapp 2% liegenden Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahr von zuletzt 0,7% habe die EZB auf ihrer Zinssitzung im September ein ganzes Maßnahmenbündel beschlossen. Seit Anfang November würden die beschlossenen Nettowertpapierkäufe von monatlich 20 Mrd. Euro, die die bisherigen Assetklassen aus dem ersten Ankaufprogramm umfassen würden (Covered Bonds, Unternehmensanleihen, ABS, Staatsanleihen), und die Staffelung des Einlagezinssatzes greifen, die einen erheblichen Teil der Liquidität vom negativen Einlagezinssatz in Höhe von -0,50% ausnehme.

Die zehnjährigen Bund-Renditen hätten sich aus ihrem Abwärtssog hin zu immer neuen Tiefstständen befreien können und hätten wieder aufwärts tendiert. Aktuell würden sie sich oberhalb der -0,40% befinden. Nach Erachten der Analysten könnten sie erneut sinken, wenn die EZB nochmals an der Zinsschraube drehe, wovon die Analysten ausgehen würden. Sie würden jedoch nicht mehr mit einem Abrutschen auf die alten Tiefststände und darunter rechnen. Denn das Risiko eines No-Deal-Brexit sei zurückgegangen und der Instrumentenkasten der EZB erscheine ausgedünnt. (Ausgabe November 2019) (06.11.2019/alc/a/a)