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Eurozone: Kein Anstoß für baldiges nachhaltiges Repricing am Zinsmarkt


06.11.17 10:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Veröffentlichungen in der abgelaufenen Woche bestärkten einmal mehr das vorherrschende Bild von der Wirtschaftsentwicklung der Eurozone, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der Konjunkturmotor laufe in der Eurozone auf allen Zylindern, mit 0,6% p.q. bzw. 2,5% p.a. liege der BIP-Zuwachs im dritten Quartal deutlich über dem langfristigen Schnitt. Der Aufschwung sei dabei sowohl auf Länder- als auch Branchenebene breit abgestützt. Die Analysten der RBI gehen davon aus, dass sich die Erholung mit hoher Dynamik bis zumindest Anfang 2018 fortsetzen wird. Gleichzeitig sei der Preisauftrieb mit zuletzt 1,4% p.a. bzw. ohne Energie und Nahrungsmittel 1,1% p.a. weiterhin unterdurchschnittlich. Bis zum Jahreswechsel dürfte die Gesamtinflationsrate weiter nachgeben und der Analysten-Schätzung zufolge bei rund 1,0% p.a. ihr Tief erreichen.

Sowohl dem Staatsanleihemarkt als auch der Europäischen Zentralbank sollten die beschriebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weitgehend bewusst sein. Die Notenbank habe zudem erst unlängst die geldpolitischen Weichen für einen guten Teil des kommenden Jahres gestellt. Die Analysten der RBI sehen daher wenig Raum für eine grundlegende Veränderung der Kommunikation in naher Zukunft. In Summe sei somit kein Anstoß für ein baldiges nachhaltiges Repricing am Zinsmarkt - allen voran bei den Geldmarktsätzen und der Rendite für deutsche Staatsanleihen - auszumachen. Auf Sicht der nächsten Wochen bestätigen die Analysten der RBI daher ihre "halten"-Empfehlung für deutsche Anleihen mit mittleren und längeren Laufzeiten.

Die Daten in den kommenden Tagen würden nur wenig neuen Informationsgehalt zum Wirtschaftsumfeld bieten. Da Schnellschätzungen für das BIP für Spanien, Frankreich und der Eurozone bereits vorlägen, würden die September-Ergebnisse zur Industrieproduktion und zum Einzelhandelsumsatz die Informationslage für das dritte Quartal nur noch abrunden. Die Veröffentlichungen zur deutschen Industrie stünden zudem ganz im Zeichen starker Schwankungen, welche sich aufgrund saisonal unüblicher Aktivitätsmuster ergeben würden. Nach dem starken Zuwachs der Produktion und des Auftragseingangs im August zeichne sich daher im September ein merklicher Rückgang im Vergleich zum Vormonat ab. Auf Basis der vorliegenden Frühindikatoren erwarten die Analysten der RBI dagegen in Frankreich und Italien eine Zunahme des Industrieoutputs.

Unter den anstehenden Konjunkturumfragen seien vor allem die noch fehlenden Einkaufsmanagerindices (PMI) für den Dienstleistungsbereich in Italien und Spanien sowie der sentix-Index für die Eurozone von Interesse. Bei den PMIs sei in beiden Ländern von einem deutlichen Rückgang auszugehen (die Schnellschätzung für die Eurozone weise ein deutlich schwächeres Ergebnis aus, welches sich aber nicht aus den Werten für Deutschland und Frankreich ergebe). Dagegen spreche der zuletzt starke Wertzuwachs am Aktienmarkt für ein neues Stimmungshoch unter den vom sentix erfassten Finanzmarktakteuren. (Ausgabe vom 03.11.2017) (06.11.2017/alc/a/a)