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Eurozone: Inflation zieht vorübergehend spürbar an


15.09.21 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Inflationsrate der Eurozone lag Ende 2020 bei -0,3% p.a. und erreichte im August dieses Jahres einen Wert von 3% gegenüber dem Vorjahr, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Inflationsentwicklung im Jahr 2021 werde in hohem Maße von Faktoren bestimmt, die sich der Kontrolle der Zentralbank entziehen würden. Fast die Hälfte der Teuerungsrate im August sei auf die Energiepreise zurückzuführen. Der Rohölpreis habe sich gegenüber dem Vorjahr stark erhöht. Zusätzlich seien die Strompreise noch stärker gestiegen als historische Muster des Ölpreisanstiegs vermuten hätten lassen. Alles in allem seien die Energiepreise einer der wichtigsten Gründe für die hohe Gesamtinflation. Die Analysten der RBI würden nicht mit einem plötzlichen Rückgang des Ölpreises rechnen und deshalb werde ein hoher Beitrag der Energiepreise zur Gesamtinflation auch in den nächsten Monaten bestehen bleiben.

Die Kerninflationsrate (Gesamtinflation ohne Energie und Lebensmittel, Alk. & Tab.) werde durch die von der Corona-Pandemie verursachten Preisschwankungen stark beeinflusst. Verschiebungen bei der Preissetzung von reisebezogenen Dienstleistungen hätten die saisonalen Muster verändert. Darüber hinaus dürfte der deutsche Mehrwertsteuer-Basiseffekt dazu führen, dass die Kernrate im Zeitraum September bis Dezember dieses Jahres über die 2%-Marke steige (im Vorjahr sei in der zweiten Jahreshälfte der Warenkorb mit einer geringeren Steuer belastet worden). Bereits im Januar 2022 dürfte die Kernrate jedoch wieder auf 1,5% im Jahresvergleich zurückgehen, da diese Effekte abklingen würden. Bislang sehen wir keinen sichtbaren zugrunde liegenden Preisdruck, der uns veranlassen würde, die Prognose für die Kerninflation im Jahr 2022 nach oben zu korrigieren, so die Analysten der RBI.

Mittelfristig dürfte die Inflationsrate unter dem EZB-Zielwert liegen, aber etwas höher als in der Niedriginflationsphase nach der Finanz- und vor der Corona-Krise. Die Kerninflationsrate dürfte mittelfristig 1,4% erreichen, die Gesamtinflationsrate sollte mit 1,6% etwas höher ausfallen (Steuerbelastung von Energie, höhere Teuerung bei Lebensmittel). Diese Inflationsentwicklung sei wohl immer noch niedrig genug, um die EZB von einer grundlegenden Änderung ihrer Geldpolitik abzuhalten. (Ausgabe vom 14.09.2021) (15.09.2021/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.